Apple zensiert Textstelle in E-Book

Dass sich die großen App Stores bei der Einreichung von Apps gerne mal quer stellen, ist ja mehr als nur ein Mythos. Meist sind die Gründe für die Ablehnung mit einem Überschuss an Toleranz irgendwie noch nachvollziehbar (technisch, inhaltliche Bedenken etc), doch nun greift das System auch auf E-Books über, was ich weitaus bedenklicher als so manche “Zensur” (z. B. in Games wegen zu hoher Brutalität) finde:
Autorin Holly Lisle, die eine relativ erfolgreiche Serie über Online-Writing schreibt und als E-Book vertreibt, musste nun feststellen, dass Apple auch auf Kosten kleiner “Kunden” den Kampf gegen die großen Mitgiganten fährt.
Ihrem Buch “How to Think Sideways – Career Survival School for Writers” wurde die Aufnahme in den iBookstore verweigert, weil darin Konkurrenz Amazon verlinkt war. Naja gut, kann man irgendwie noch verstehen, hat aber ein G’schmäckle, wie der Schwabe zu sagen pflegt.
Als sie den Link entfernte und Ihr Schriftstück erneut einreichte, wurde die Aufnahme wiederholt verweigert. Begründung diesmal: Sie erwähnte Amazon noch immer in ihrem E-Book, so etwas gefällt Apple nicht.
Jetzt ist es natürlich sehr schwierig, ein Buch über Publishing zu schreiben und dabei den weltgrößten und marktwirtschaftlich wichtigsten Buchvertrieb nicht erwähnen zu dürfen, zumal gerade Autoren, die ihre Bücher selbst vermarkten, über 90% ihres Umsatzes über den Buchgiganten laufen haben.
Da stößt das divenhaft anmutende Gebahren Apples natürlich seltsam auf, ist es zugleich eine böse Form der Zensur und offenbart zudem kein sehr professionelles Verhalten des wertvollsten Konzerns der Welt.
Schließlich erlaubt heutzutage jeder Verlag – nein, er verlangt sogar – Bücher und Referenzen aus anderen Verlagen, um dem Werk auch einen nötigen wissenschaftlichen Hinterbau zu geben, weil ein Verlag nicht alles abdecken kann. Verweise zu Konkurrenten, wenn sie nicht heftige Werbung sind, gehören sozusagen zum guten Stil.
Aber das kann man schonmal übersehen, wenn man noch frisch in einem Markt ist.
Patrick Voelcker
Patrick beschäftigt sich beruflich und privat seit 2005 neben der Webprogrammierung auch mit der Entwicklung von Mobile und Native Apps. Er ist Rich Media Innovation Specialist bei Google und Autor des Buches "Spiele programmieren für iPhone und iPad" (dpunkt-Verlag). Außerdem ist er Gastdozent an der Popakademie Baden-Württemberg und der Filmschule Köln. Auf Mobile Zeitgeist schreibt er dementsprechend hauptsächlich über Trends und Entwicklungen in Mobile Entertainment [XING]













at 21:52
Das kann ich bestätigen. Ich habe in der interaktiven iBook-Version meines Kinderbuches “Wie kommt die Milch in den Frosch?” auf die Text-Version bei Amazon hingewiesen. Das mußte ich ändern.
Ich habe dann geschrieben, dass das Buch auch bei einem nach einem südamerikanischen Fluß benannten Buchhändler zu haben ist.Auch Markennamen wie iPod oder iPad durfte ich in der Geschichte nicht verwenden.Gruß
Mathias