Interview: “Nicht überladen, klare einfache Strukturen, visuell schnell aufgreifbar, bunt, selbsterklärend, begeisternd.” – so sollte eine gute Kinder-App sein.

Nachdem wir uns im ersten Teil mit Haribo bereits über einen möglichen „Kindermodus“ in Smartphones unterhalten haben, gehen wir im zweiten Teil unseres Interviews tiefer auf die aktuelle App von Haribo ein und erforschen, in wie fern Haribo die App Kindgerecht konzipiert und realisiert hat und welche Erfahrungswerte Haribo bereits sammeln konnte.

Zweiter Teil des Interviews mit Marco Alfter, Leiter Unternehmenskommunikation, bei der Haribo GmbH & Co. KG.

1. Sie haben vor kurzem Ihre dritte iPhone App der Marke Haribo gelauncht. In wiefern haben Sie bei der aktuellen App sowie bei den Vorgängermodellen als potenzielle Zielgruppe mit inkludiert?

Wir haben bis dato drei gelauncht. Bei der Veröffentlichung einer App gehen wir genauso vor wie der Markenslogan „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“ vorgibt. Lange hieß der Slogan nur „Haribo macht Kinder froh“. Der Zusatz „…und Erwachsene ebenso“ im Markenslogan ist erst 30 Jahre später gekommen. Das zeigt die Fokussierung sehr deutlich. Kinder genießen unsere höchste Priorität. Der überwiegende Teil einer Haribo App muss für Kinder sein, der Hauptfokus Kinder ist gesetzt. Die Kaufentscheidung wird jedoch oft von der haushaltsführenden Mutter getroffen und der Vater besitzt oft das , mit dem gespielt wird. Den Eltern muss es also auch gefallen. Die App muss daher für das Kind als auch für die Eltern interessant sein, also familienfokussiert sein.

2. Haben Sie Erfahrungswerte, ob Ihre Apps auch von Kinder genutzt werden? Wenn ja, was gefiel den Kindern besonders gut in den bisherigen Touch basierten Anwendungsszenarien?

Ja in jedem fall. Die Kinder spielen häufig mit dem Smartphone oder der Eltern.

Alles was Entdeckungscharakter hat, z.B. streichen, schütteln, kippen, pusten, versteckte Modi, etc. ist für Kinder spannend. In unserer ersten App fanden sie den High Score toll, in der aktuellen besonders das Spielen mit dem dreidimensionalen Goldbären. Der Goldbär wird lebensecht und für Kinder greifbar. Das begeistert sie.

Generell verfolgen wir einen übergreifenden Smartphone und Touch Device Fokus, denn Kinder haben eher einen ipod Touch. Die Eltern dafür ein Smartphone und / oder ein Tablet. Kinder nutzen eher das Tablet ihrer Eltern, wenn sie zuhause sind, da hier „home entertainment“ mit großem Display überzeugt. Kinder mögen große Displays. Unterwegs wird dann mit dem Smartphone der Eltern gespielt. Im Urlaub ist vermutlich auch das iPad dabei und wird somit in diesem Fall zum Hauptspielobjekt.

Das iPhone ist aus unserer Sicht strategisch das Zugpferd, in der Verbreitung sind jedoch andere besser. Unsere App wird daher auch für Android und Samsung bada verfügbar werden und auch auf Smart TV bald als TV Applikation erhältlich sein. Man muss für alle Systeme denken, um eine breite Masse anzusprechen und um alle Familien zu berücksichtigen.

3. Haben Sie Ihre aktuelle App konzeptionell oder in Form der graphischen Gestaltung dem Nutzungsverhalten von Kindern angepasst? Wenn ja, in wie fern?

Kindern muss man weniger erklären. Kinder kapieren schneller. Gerade bei Kinder Apps, die spielerisch ausgerichtet sind, reichen entsprechende graphische Darstellungen. Buttons sollten gut erkennbar gemacht werden. Entdeckung steht im Fokus und die App sollte visuell ausgerichtet sein. Bei einer Zielgruppe von drei bis vier Jahren ist auch eine großflächige Darstellungsform wichtig. Ansonsten wird auch gerne jedes Detail ausprobiert. Gelernt sind gängige Icons und Visualisierungshilfen. Ein Brettersymbol wird sofort als „spielen“ verstanden. Ein Foto Icon sofort als „Fotografieren“.

In unserer aktuellen App haben wir konzeptionell mehrere Bereiche in die App integriert. Wir wollten eine App herausbringen, die einen Mehrwert bietet – für das Kind spielerisch und für die Eltern informativ. Wir wollten Dinge in die App einbringen, die mobil jeder nutzt. Dazu gehören Wetter oder Nachrichten. Es gab bisher aber keine Wetter App im App Store, die kindgerecht ausgelegt war. Somit entschieden wir uns für eine Wetter App für Kinder – mit weiteren Zusatzfunktionen und Spielereien.

Der Wetter Bereich „Bärenwetter“ in unserer aktuellen App ist so aufgebaut, dass Kinder sofort sehen können, wie das Wetter wird – ohne etwas lesen zu müssen. Visuell wird sofort für das Kind erkennbar, ob es sonnig oder regnerisch ist, da sich der Goldbär entsprechend zeigt. Zum Beispiel trägt er Regenstiefel wenn es regnerisch wird. Unter „Wetter Details“ können die Eltern weitere Informationen zum Wetter abrufen. Dieser Bereich ist für Kinder eher uninteressant.

Haribo AppHaribo AppHaribo App

Im zweiten Bereich der App kann man mit dem Goldbär spielen. Hier liegt der Hauptfokus auf Kindern. Die Erwachsenen finden den Goldbären auch süß in der Darstellung, die Entdeckungsfreude liegt aber bei den Kindern, denn der Goldbär hat verschiedene Modi und Reaktionen, die er zeigt. Kinder finden beispielsweise relativ schnell heraus, wie man den Bär zum Niesen bringen kann.

Haribo App

Im dritten Bereich der App kann man ein Foto mit dem Goldbären machen. Per Augmented Reality wird der Goldbär virtuell in ein reelles Foto gesetzt. Hier haben wir noch keine Tendenz, wer diesen Bereich mehr nutzt – eher Kinder oder deren Eltern. Der Bereich wird viel von Erwachsenen genutzt und auf Social Media Plattformen geteilt. Kinder wollen es jedoch auch machen und ihre Fotos anschließend ausgedruckt haben.

Der Shop, den wir in unsere App integriert haben, ist allerdings überhaupt nicht für Kinder. Dies ist ein ganz neuer Schritt von Haribo. Rein über das Smartphone kann der Haribo Fan exklusiv sortenreine Goldbären beziehen.

Nur über Haribo Werksverkäufe ist das sonst möglich. Hier sind wir sehr gespannt. Die ersten Reaktionen waren positiv, die wir erhalten haben. Es gab noch keine Fehlbestellungen. Wir haben aber auch hier eine Kindersicherung berücksichtigt, denn für die Bestellung müssen Paypal oder Kreditkartendaten eingegeben werden. Somit ist auch sicher gestellt, dass das Kind nicht einfach Bestellungen auslöst.

4. Was sollte eine gute Kinder App aus Ihrer Sicht liefern?

Nicht überladen, klare einfache Strukturen, visuell schnell aufgreifbar, bunt, selbsterklärend, begeisternd.

Wichtig ist, dass sie ein Kind nicht mit Ihrer App enttäuschen, denn ein Kind, das einmal enttäuscht wurde, haben Sie für immer verloren.

Ein Kind müssen Sie immer sofort überzeugen und dürfen nicht langweilig sein. Wenn es das Kind interessiert, spricht sich das schnell rum und Sie haben gewonnen.

Ein Buch ist auch nur interessant, wenn der Inhalt fesselnd und interessant ist. Ein Smartphone ist interessant, solange es spannende Apps zu entdecken gibt oder das Betriebssystem erforscht werden kann.

Generell sollte man auch auf Rezensionen achten und darauf eingehen. Die App sollte nicht aus der Hand gelassen werden, wenn sie gelauncht ist. Eine App muss leben und immer weiterentwickelt werden. Sie lebt von Aktualität und Updates, nur dann bleibt sie nachhaltig interessant und spannend – auch für Kinder.

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Lilian Güntsche

Lilian Güntsche

Lilian Güntsche, Dipl.-Medien-Oek., ist seit über 10 Jahren im Marketing- und Vertriebsumfeld der Digital- und Medienbranche, Schwerpunkt Mobile, aktiv. Nachdem sie in verschiedenen renommierten ITK- Unternehmen im In- und Ausland tätig war, ist sie 2011 mit Güntsche Concepts selbstständig. Hierbei unterstützt sie namenhafte Industriekunden und Digitalagenturen bei ihrer Mobile Strategie sowie im Bereich Kooperationsmarketing & digitales Account/Projekt Management. Lilian ist zudem Autorin, Sängerin und Sprecherin.

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