[Start-up] Mit Streetspotr Kleinstaufträge vergeben
Mit Streetspotr arbeitet seit 2011 ein weiteres Mobile Start-up an der Idee, die Millionen Smartphones und deren Nutzer in Deutschland zu gewinnen, um Minijobs zu erledigen. Der neue Ansatz dabei ist, dass Streetspotr sein Geschäftsmodell direkt in Verbindung mit zahlungskräftigen Unternehmen bringt: Die kleinen Aufträge werden nicht von der Community zum Selbstzweck eingestellt, sondern von Unternehmen und Marktforschern. Eine Agentur möchte z.B. sichergehen, dass Produktinformationen wie Plakate an der richtigen Stelle angebracht worden sind. Der User kann diesen Auftrag annehmen und erfüllt ihn, indem er ein Foto des betreffenden Platzes macht und Fragen beantwortet. Dafür werden zumeist Beträge um die 2,50€ ausgezahlt.
Hinter Streetspotr stehen zwei erfahrene deutsche Mobile Experten: Holger Frank und Werner Hoier. Mit ihren Firmen entwicklungsschmiede und elennium sind die beiden Gründer vor allem durch die sehr erfolgreichen Apps MiCal sowie Mobile Butler bekannt geworden und arbeiten seitdem auch für namhafte Kunden an der Umsetzung von Apps.
Bei Streetspotr ist Holger Frank als CTO verantwortlich für die technische Weiterentwicklung, wohingegen Werner Hoier die Aufgaben des CEOs übernommen hat. Gegründet wurde das Unternehmen im Juni 2011. Inzwischen besteht das Team aus knapp 10 Mitarbeitern, hat im März die Open Beta für seine iOS- bzw. Android-App abgeschlossen und ist seitdem in 20 deutschen Städten im Livebetrieb verfügbar. Zur Internetworld in München haben wir das Team von Streetspotr kennengelernt und konnten Dorothea Utzt (CMO) einige Fragen stellen.
Die Idee, Smartphone-Nutzer als Workforce und Problemlöser zu nutzen, ist bereits bei mehreren Start-ups ein Thema. Gigalocal versucht Aufträge aus der Community für die Community bereitzustellen und ermöglicht es, z.B. Umzugshilfe via App zu finden.
Streetspotr hat bewusst ein anderes Geschäftsmodell gewählt und möchte mit direktem Vertrieb Unternehmen gewinnen, welche kleine Aufträge via Crowdsourcing auslagern, anstatt sich selbst darum kümmern zu müssen. So findet man in den Apps sowohl Telekom Hot-Spots, die überprüft werden sollen, als auch die Aufforderung Spielplätze auf ihre Sauberkeit zu kontrollieren oder Speisekarten zu fotografieren. Die Nutzer der App müssen sich registrieren und können bis zu fünf Aufträge gleichzeitig abarbeiten. In der Regel haben sie 24 Stunden Zeit den Job zu erledigen, in dem sie eine Beschreibung und Fotos abgeben.
Wenn der Ersteller des Jobs den Auftrag für abgeschlossen erklärt, erhält der Nutzer ohne Abzüge sein Geld via PayPal. Natürlich müssen die Unternehmen an Streetspotr Gebühren zahlen, womit sich das Start-up finanziert. Laut Dorothea Utzt sind vor allem Content-Sammler (z.B. Bewertungsplattformen und Navi-Hersteller) sowie Marktforscher potenzielle Kunden für das Unternehmen.
Die iOS- und Android-Apps werden inhouse entwickelt und bieten die zu erwarteten Funktionen: Suche und Sortierung der Spots, sowie eine Kartenansicht der nächstgelegenen Aufträge. Die Annahme und Abwicklung von Jobs gelingt einfach, auch wenn die App an manchen Stellen etwas mit Funktionen überfrachtet wirkt. Natürlich gibt es auch eine Freundefunktion sowie die Möglichkeit, Badges zu gewinnen. Der Gamification-Ansatz hat aber auch inhaltliche Gründe, denn zu manchen Jobs hat man nicht von Anfang an Zugang.
Laut eigenen Angaben haben sich seit der Betaphase von Dezember bis heute knapp 10.000 User die App heruntergeladen. Dabei wurde vor allem auf virales Marketing Wert gelegt und kaum nennwertes Budget für die Verbreitung der App eingesetzt. Das Ziel des Unternehmens sind rund 50.000 User bis Ende des Jahres. Während bei der Beta nur insgesamt vier Städte verfügbar waren, sind es jetzt bereits 20. Neben der Expansion in neue Regionen wollen die Gründer vor allem die App weiterentwickeln und starke Leuchttürme als Kunden gewinnen. Damit das gelingt, ist das Start-up im Moment auf der Suche nach Investoren.
Die grundlegende Idee, auf Millionen von Smartphone Nutzern als Mobile Workforce zu setzen, leuchtet ein. Das Team hat mit den beiden Gründern einen guten Background und genügend Know-How in Sachen App-Entwicklung. Natürlich hat die App noch ein paar Probleme und bietet vielleicht zu früh zu viele Funktionen an, anstatt sich auf den Kern zu konzentrieren: Die User wollen mit den kleinen Jobs etwas dazuverdienen.
Das innovative Geschäftsmodell mit der Fokussierung auf Unternehmen als Jobanbieter bietet Streetspotr die Möglichkeit für ein gutes Wachstum. Gleichzeitig gibt es bereits andere ähnliche Anbieter (siehe Appjobber) und es bleibt die grundsätzliche Frage, ob sowohl die User bereit sind in großen Scharen mitzumachen als auch die Unternehmen Interesse an einem solchen Angebot haben.
Über den Autor: Dominik Ueblacker ist Mitgründer und Geschäftsleiter für Marketing und Vertrieb bei der Weptun GmbH. Seit 2010 setzt die Entwicklungsfirma für iOS und Android Business Apps um. Privat kickt er in einer Freizeitmannschaft oder schwärmt von seine Heimatstadt München.
Gast-Autor
Als Gast-Autoren schreiben verschiedene Experten für mobile zeitgeist. Möchten Sie auch als Gast-Autor bei uns schreiben? Einfach eine Mail an info[at]mobile-zeitgeist.com














Keine Kommentare