App Store SEO – Wunderwaffe oder Hype?

Mit Genehmigung von oldmaison (creative commons Lizenz)

Das App Business boomt. Die großen Abräumer – Titel wie Instagram, Angry Birds, Flipboard oder Path – stehen im Rampenlicht und werden gefeiert. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Viel Schatten. Und  die im Dunklen sieht man nicht. Bei 600.000 im App Store und fast 500.000 Apps fristen die meisten Angebote ein Schattendasein.

App Store SEO – zunächst eine Geheimwissenschaft von Insidern – sorgt in letzter Zeit zunehmend  für Gesprächsstoff. Die ersten Unternehmen bieten Beratung, auch Keyword Tools sind im Kommen. Dieser Artikel soll ein wenig Einblick in die Mittel und Möglichkeiten des App Store SEO geben.

Die Apps, die es tatsächlich in die Top-Listen schaffen, erreichen dies – entgegen populärer Meinung – nicht allein, weil die Idee so toll ist. App-Erfolge sind das Ergebnis harter Arbeit. Wer den Erfolg will, muss die Ärmel hochkrempeln. Der Erfolg einer App basiert zunächst auf den Komponenten des klassischen Marketing-Mix: Product, Pricing, Promotion und Place. Alle vier sind wichtig. Dieser Artikel fokussiert sich auf Place, die effektive Platzierung eines Produktes in den Absatzkanälen.

In der Internet-Ökonomie beschreibt Place die Mittel und Methoden, es dem Konsumenten zu ermöglichen, das eigene Produkt zu finden. Die spezifische Herausforderung besteht darin, dies dem Konsumenten maximal einfach zu machen.

Um das zu erreichen ist es zunächst mal wichtig zu verstehen, wie Konsumenten Apps finden. Grundätzlich ist die Platzierung einer App an drei Stellen möglich:

  1. Die Apps der Woche: Apps die hier gefeatured werden, werden von der Redaktion ausgewählt. Eine Platzierung ist wie ein Sechser im Lotto. Die Möglichkeiten, die Platzierung zu beeinflussen sind allerdings minimal, die Platzierung zudem von geringer Dauer.
  2. Die Schaufensterplätze: wer in die Top-25 der Kategorien erreicht, erfreut sich hunderter bis tausender Downloads am Tag. Eine Platzierung ist allerdings weniger die Ursache dieser Downloads, sondern das Ergebnis. Wer hier auftaucht, hat es bereits geschafft (oder gibt pro Monat einige 10.000 Euro für Marketing aus).
  3. Die Suchergebnisliste: ein Drittel der Nutzer gelangen über die Suche nach einer spezifischen Funktion zu ihrer App. Wie im Artikel App Marketing – was wirklich zieht beschrieben, gelangt ein Drittel der Nutzer über die Suche im App Store zur gewünschten App.

Dieser Artikel fokussiert sich auf den dritten Punkt: er beschreibt Maßnahmen, mit der ein App Publisher die eigene App prominent in Suchergebnissen platzieren kann und so deutlich mehr Downloads erzielen.

Wer seine App erfolgreich platzieren will, muss daher zwei Dinge tun:

  • Verstehen, wonach Nutzer im App Store suchen
  • Dafür sorgen, dass die eigene App bei den populären Suchen prominent gelistet wird

Die noch junge Disziplin die sich hiermit beschäftigt nennt sich App Store SEO. Sie funktioniert ähnlich wie die klassische Search Engine Optimization (SEO) und kann heute mit geringem Aufwand außerordentliche Wirkung erzielen.  Wer jedoch App Store SEO sinnvoll einsetzen will, muss zunächst die Eigenheiten der von und Google eingesetzten Suchalgorithmen verstehen.

  1. Keyword Analysis
    Zunächst einmal gilt es zu verstehen, nach welchen Begriffen der Nutzer eines Smartphones oder Tablets sucht. Da Apple und Google die Statistiken der Suche in den Stores für sich behalten, muss man etwas Analyse betreiben. 

    Für den amerikanischen Markt bietet MobileDevHQ ein Tool, welches geeignete Suchwörter in Bezug auf Wirksamkeit (wieviele Nutzer suchen nach dem Keyword) und Wettbewerbsintensität (wie viele Apps setzen das Keyword ein) bewertet. AppStoreHQ nutzt die Nutzungsdaten von Third-Party App Stores, um populäre Suchworte zu identifizieren. Leider bietet das Tool für den deutschen Markt keine Keyword-Informationen.

    Ein sehr brauchbares Werkzeug für die Identifizierung und Bewertung von Keywords ist das Google Keyword Tool. Hiermit kann schnell und kostenlos ermitteln, wie häufig Nutzer bestimmte Suchworte auf Google suchen. Das charmante daran ist, dass sich die Zielgruppe mit einem Klick auf Smartphone-Suchen (“Mobiltelefone mit vollwertigem Internet Browser”) eingrenzen lässt. Somit kann man sehr einfach ermitteln, welches Dinge für mobile Nutzer Top-of-Mind sind.

    Selbstverständlich suchen mobile Nutzer auf Google nicht zwingend dasselbe wie im App Store. Die Themenschwerpunkte sind jedoch ähnlich genug: Nutzer die unterwegs nach Kinos, Benzinpreisen, Brands etc. suchen, werden auch Apps finden wollen, die solche Informationen bieten.

  2. Keyword-Feld
    Der App Store bietet ein Feld, welches dem Publisher einer App Raum bietet, die identifizierten Keywords zu platzieren. Das Feld lässt Raum für exakt 100 Zeichen. Das ist wenig Raum; daher muss klug gehaushaltet werden. 

    Keywords werden durch Kommas getrennt. Gut zu wissen, dass zwischen einem Komma und dem folgenden Wort kein Leerzeichen stehen muss. Wer auf alle Leerzeichen nach dem Komma verzichtet, gewinnt Raum für zwei weitere Keywords.

  3. Title
    Der Titel der App bietet Raum für weitere Keywords. Im Gegensatz zu Google hat Apple die Länge des Titels kaum beschränkt.  Ein mit Keywords gefüllter Titel ist definitiv nicht schön anzusehen. Allerdings wird er nur in der PC/Mac-basierenden iTunes App bzw. der iTunes-Webview in ganzer Länge angezeigt. Auf iOS Devices erscheint eine stark gekürzte Version. 

    Wesentlich bei der Platzierung von Keywords ist, dass Apples App Store Suchalgorithmus den im Titel platzierten Keywords wesentlich mehr Gewicht gibtals dem Keyword-Feld. Wer es also richtig anstellt, integriert die wichtigsten Keywords in den App-Titel.

  4. Don’t overpromise
    Für wirksames App Store SEO ist es entscheidend, Keywords zu wählen, welche tatsächlich vorhandene Eigenschaften  der App beschreiben. Grundsätzlich steht es einem App Entwickler zwar frei, beliebige populäre Keywords mit der eigenen App zu verknüpfen. 

    Doch was hilft es, einen Nutzer zu veranlassen, die App zu installieren, wenn dieser dann feststellt, dass sie die Erwartungen enttäuscht? Er wird die App flugs deinstallieren und ggfs. eine schlechte Bewertung hinterherschicken. Schuss in den Ofen.

  5. Beschreibungstext
    Der Beschreibungstext einer App wird bei Google und Apple unterschiedlich gewichtet. Bei Apple flossen Worte im Beschreibungstext als Keywords in die Such-Index ein; Apple hat diese Praxis allerdings schon lange aufgegeben. 

    Daher ist dieser Text zwar wichtig, um bereits interessierte Nutzer von den Eigenschaften der App zu überzeugen; SEO-relevant ist der Text mitnichten. Anders bei Google: eine App im Play Store verfügt über kein eigenes Keyword-Feld; hier werden die Worte in der App-Beschreibung für den Such-Index gewichtet.

  6. Do’s and Dont’s
    Bei der Auswahl der Keywords ist zu beachten dass Brand-Namen in der Regel geschützt sind. Welche Brands als Keywords genutzt werden können ist nicht transparent, daher kommt es auf den Versuch an. Wenn ein Brand die Verwendung des Namens untersagt hat, wird Apple beim Submit der App darauf hinweisen und die Entfernung des Keywords verlangen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, für eine App das Keyword „Google“ zu verwenden, auch wenn die eigene App eine Funktion für die Übergabe an Google Maps enthält. 

    Die Verwendung der Namen von Wettbewerber-Apps ist grundsätzlich untersagt. Allerdings gibt es hier eine große Grauzone: eine App mit dem Titel „Angry Birds Walkthrough“ wird toleriert. Warum auch nicht, schließlich ist es eine durchaus wertschöpfende App, bei der der Name zwingend das Thema enthält.

  7. Nur Schlachten kämpfen, die man gewinnen kann
    Wer das Potential von App Store SEO richtig einschätzen will muss verstehen, dass selbstverständlich auch Suchergebnisse gerankt werden. Es hilft also nichts, alleine das Keyword „Benzin“ zu platzieren – auch wenn dieses ggfs. viel gesucht wird. Denn wenn die eigene App an 16 Stelle im Suchergebnis auftaucht, wird das kaum ein Nutzer mitkriegen. 

    Das Ranking der Apps mit matchenden Suchworten erfolgt in erster Linie nach der Popularität der App. Sprich: welche App hatte in den letzten drei Tagen am meisten Downloads. Es hilft also wenig, direkt gegen die Goliaths anzutreten wenn man selber ein David ist: Die Ergebnisse einer Suche nach „Benzin“ wird – dank Apps wie ADAC, mehr-tanken, Clever Tanken, Aral Tankstellen Finder etc.– von sehr populären Angeboten dominiert. Wer seine App „Benzin billiger“ nennt, hat auch mit dem populären Keyword „Benzin“ wenig Schnitte.

    Anders sieht es aus, wenn eine App bereits populär ist. Ein gutes Beispiel ist die meineStadt-App: Hier wurde das Keyword „Kino“ in den Titel der App aufgenommen. Mit Erfolg: wer nach Kino sucht, findet die meineStadt-App an zweiter Stelle – noch vor Anbietern wie Texxas oder moviePilot.

Fazit: App Store SEO ist ein probates Mittel, es Nutzern von Smartphones leichter zu machen, die eigene App in den App Stores besser zu finden. Nach meinen eigenen Erfahrungen kann die Auswahl der richtigen Keywords die Downloads-Rate einer App deutlich verbessern – Steigerungen von 30% und mehr sind möglich. Da App Store SEO keine Kosten verursacht, ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema für App Publisher definitiv sinnvoll.

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Martin Lawrence

Martin Lawrence

Martin Lawrence ist Senior Produktmanager bei telegate MEDIA (vormals klickTel). Hier ist er für die Entwicklung der Portale und mobilen Anwendungen verantwortlich. Seit 10 Jahren im Thema Internet. Seit fünf Jahren mit Fokus auf Consumer-Anwendungen. XING.

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5 Kommentare

  • wow, vielen Dank für den tollen Artikel und die hilfreichen Tipps. Man kann ja doch einiges im Bereich der Suchmaschinenoptimierung was die Apps angeht machen. 

    Lets try it! :) 

  • Martin Lawrence

    Immer gerne! Die Auseinandersetzung lohnt sich, da geht einiges :-)

  • Manfred

    Danke für diesen klasse Artikel, bin gerade dabei mich programiertechnisch mit Apps auseinander zu setzen.

  • Steffen

    Ein sehr guter Artikel. Bis auf die Aussage, dass App Store SEO keine Kosten verursacht. Natürlich verursacht es Kosten, da es jemanden geben muss der sich damit Beschäftigt. Nicht immer hat eine vorhandene Stelle Zeit dafür.

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