[Von Philip Herrmann und Moritz Wiese] Der deutsche Publikationsmarkt ist seit der Verfügbarkeit massenmarkttauglicher elektronischer Lesegeräte von einem enormen Innnovationsdruck betroffen. Dies bezieht sich zum einen auf den Umgang mit redaktioneller Arbeit, zum anderen ganz wesentlich auf die Erstellung von vermarktbaren Produkten und die Identifikation von geeigneten Geschäftsmodellen im digitalen Umfeld.
Ein möglicher Ansatz ist eine Eins-zu-Eins-Kopie von etablierten Modellen des physischen Vertriebs in die digitale Welt. Viele Marktteilnehmer beschreiten diesen Weg und gehen mit digitalen Klonen der Printprodukte und nahezu identischen Geschäftsmodellen sowie Pricing-Ansätzen ins Rennen. Als Markteintrittsstrategie kann dies ein erster Schritt sein, die Potentiale der digitalen Publikation und Distribution können damit jedoch nicht ausgeschöpft werden.
Rahmenbedingungen beeinflussen den deutschen Markt
Der Einfluss regulatorischer Bestimmungen auf den deutschen Publikationsmarkt ist für die Teilnehmer ein maßgeblicher Faktor bei der Gestaltung von Geschäftsmodellen. Speziell die Buchpreisbindung ist eine wichtige Größe, die bei Verlagen und im Buchhandel eine fest etablierte Institution darstellt.
Außerdem werden Print- und Digital-Publikationen steuerrechtlich unterschiedlich behandelt. So wird das eBook als digitales Produkt regulär mit 19 Prozent Umsatzsteuer veranlagt, das Print-Buch hingegen als schützenswertes Kulturgut mit reduzierter Mehrwertsteuer begünstigt. Beide Faktoren wirken negativ auf Angebot und Nachfrage von elektronischen Publikationen.
Innovative Modelle müssen Anreize schaffen
Die Weiter- oder Neuentwicklung von Geschäftsmodellen ist essentiell für die Durchsetzung digitaler Publikationen am Markt. Eine Option ist die Herausgabe von Sondereditionen, bei denen sich die Print- von der Digital-Ausgabe unterscheidet, beispielsweise hinsichtlich des Covers . Somit können eBooks mit nahezu identischem Inhalt zu einem niedrigeren Preis angeboten werden als die hochwertig gebundene Print-Ausgabe.
Das Buchpreisbindungsgesetzt gestattet diese Art der Preisdifferenzierung, wobei alle Händler des günstigeren digitalen Produktes weiterhin an den definierten Preis gebunden sind. Umfragen zufolge ist der Preis eines der wichtigsten Argumente für den Kauf von digitalen Publikationen.
Einige Verlage bieten bereits preisreduzierte Ausgaben an und verwenden den Preisvorteil als Marketinginstrument. So können beispielsweise die digitalen Versionen von cbj (Random House) mit einem Preisvorteil von ca. 10-40 Prozent gegenüber den Printausgaben erworben werden. [...]
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