Im April 2010 hatte ich auf der Internet World einen Vortrag über mCommerce gehalten, in dem ich die Marktchancen und einige Lösungen rund um das mobile Shopping dargestellt habe. Unter anderem war bei diesen Lösungen Shopgate (Folie 26) dabei, die Händlern eine einfache Möglichkeit bieten, ihren Shop auf das iPhone zu bringen. Letzte Woche wurde der App-Generator für eigene iPhone-Apps gelauncht. Ortwin Kartmann, Gründer und CEO von Shopgate (@shopgate), war so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten.

Foto 3Shopgate ist eine Art “mobiler Shopaggregator”. Bei Euch können sich Händler positionieren ohne eigene Apps zu bauen. Was genau sind die Vorteile für den Händler?

Kartmann: Zunächst einmal spart sich der Händler die Kosten für die Entwicklung und den Unterhalt eine App. Wenn man bedenkt, was 1-2 iPhone-Entwickler oder Agenturen für 3-5 Monate Entwicklungsarbeit und für den Unterhalt der App kosten – unabhängig vom eigenen Arbeitsaufwand – sind die Kosten für eine Anbindung an Shopgate vernachlässigbar.

Wir haben uns ausserdem viele Monate Gedanken gemacht zu Themen wie Usability, Payment, Geschwindigkeit und dabei Features eingebaut wie unseren Barcode Scanner, Push-Benachrichtigungen, Bestellstatus-Abfragen und vieles mehr. – Das alles bekommen die Shops mit dazu.

Was wir wollen: den mobile Commerce vorantreiben. Davon sind die meisten kleinen und mittleren Shops bis heute allein schon aus Kostengründen und wegen dem Fokus auf ihr Kerngeschäft ausgeschlossen. Diese Lücke schliessen wir und bieten die ausgereifteste M-Commerce Lösung für den Versandhandel zu sehr geringen Kosten an.

Shopgate ist erst vor kurzem gestartet. Wie hat sich Euer Geschäft seitdem entwickelt? Wieviele Kunden habt Ihr? Welche Branchen sind am aktivsten bei Euch? Wie hoch ist der über Euch abgewickelte Umsatz?

Kartmann: Die Shopgate App wurde Ende April 2010 von Apple freigeschaltet. Seither habe sich rund 150 Shops bei uns registriert. Ungefähr 70 sind derzeit live. In dieser Zeit haben rund 20.000 iPhone User die App gedownloaded, davon hat sich rund ein Drittel registriert.

Wir wickeln derzeit rund 200 Bestellungen pro Monat ab. Alles noch sehr übersichtlich. Aber es wächst. Mit der neuen Möglichkeit, für jeden Online-Shop eine eigene App zu generieren, werden wir die Geschäftsentwicklung massiv beschleunigen: wir werden bald mit Dutzenden wenn nicht hunderten von Apps im App Store vertreten sein.

Das A und O mobiler Shoppinglösungen ist das möglichst einfache Bezahlsystem. Wie habt Ihr diese Herausforderung gelöst?

Kartmann: Wir haben das Glück, selbst aus der Payment-Branche zu kommen, und die Erfolgsfaktoren dieser speziellen Industrie zu verstehen. Die Bezahlung ist in der Tat extrem wichtig. Auf der Checkout-Seite brechen die meisten Kunden ab, nicht nur im Mobile Commerce, auch im klassischen E-Commerce.

Wir haben zudem festgestellt, dass die meisten M-Commerce Projekte an diesem Punkt scheitern, sich wenig Mühe geben oder zumindest unerwartet viele Schwierigkeiten zeigen. Die Apps, die das Problem am besten gelöst haben, sind die Apple Apps selbst, das heisst der App Store und die iTunes App.

Diese beiden Apps waren und sind unsere Vorbilder bezüglich Mobile Payment. Der Kunden soll die Möglichkeit haben, mit wenigen Klicks zu bezahlen. Bei der Vorkasse und bei der Kreditkarte ist uns das über unsere Partner, die iOutBank App, sowie Concardis und Ogone gelungen. Wir haben zusätzlich noch sofortüberweisung.de und ClickandBuy integriert, die sehr gut zum M-Commerce passen, iPhone optimierte Formulare und bald auch eigene Apps anbieten.

Seit letzter Woche bietet Ihr Euren Kunden eigene Shopping-Applikationen für das iPhone an, die über einen einfachen Generator selbst erstellt werden können. Warum sollte ein Händler eine eigene Applikation machen? Welche Vorteile hat dies gegenüber Eurem bisherigen System? Welche Restriktionen muss der Händler dennoch im Vergleich zu einer individuell programmierten App akzeptieren?

shopgate1Kartmann: Mit der eigenen App schafft ein Händler Kundennähe: er ist nicht nur jederzeit, sondern vor allem auch überall beim Kunden mit dabei. Der Kunde kann sich unterwegs oder zwischendurch über das Angebot seines Händlers informieren und gleich auch einkaufen. Es ist Teil einer modernen Werbestrategie, aber auch auch ein neuer Vertriebskanal.

Der Vorteil einer eigenen App gegenüber der Shopgate App liegt darin, dass die Marke des Händlers und damit auch das Kundenvertrauen in den Vordergrund tritt. Der Händler kann in jedem Newsletter, auf seiner Webseite oder in jedem anderen Medium für seine eigene App werben. Gleichzeitig profitiert er vom Shopgate Kundennetzwerk, das mit jedem Händler wächst.

Die Restriktionen liegen darin, dass jede App der Usability und dem Bestellablauf von Shopgate folgen muss. Allerdings kennen wir heute neben den Apple Apps keine M-Commerce App, die so einfach und schnell funktioniert wie Shopgate. Und falls es doch einmal jemand besser machen sollte als wir, passen wir unser System an. Unser Fokus liegt ganz im Mobile Commerce.

Wie wird es bei Euch weiter gehen? Was sind Eure nächsten Entwicklungs- und Expansionsschritte?

Kartmann: Zunächst geht es jetzt darum, die Online-Händler darüber zu informieren, dass eine eigene App sehr wenig kostet und über Shopgate kinderleicht zu erstellen ist. Viele spielen ja mit dem Gedanken, weil sie den enormen Erfolg der grossen Marktführer Ebay oder Amazon sehen.

Mit einigen grösseren E-Commerce Unternehmen sind wir dabei, verschiedene einzigartige, 100% mobile Anwendungen zu schaffen. Beispielsweise arbeiten wir an einer Produkterweiterung, mittels der ein Kunde eine Katalogseite oder die Seite einer Zeitschrift scannen und gleich alle Produktinformationen auf seinem iPhone vorfindet.

Kataloge erhalten dadurch einen ganz neuen Sinn: sie werden direkt mit der Bestellung kombiniert. Natürlich lässt sich diese Idee auch auf Printwerbung, Schaufensterwerbung und allen möglichen Formen von Offline-Marketing übertragen. Das Prinzip der Bannerwerbung auf die Offline-Welt übertragen: grossartig! -

In den nächsten 2-3 Monaten wollen wir auch in der Schweiz live gehen und in weitere europäische Länder expandieren. Wir freuen uns sehr auf die kommende Zeit, weil wir das Gefühl haben, dass der Mobile Commerce jetzt endlich losgeht!

Heike Scholz

Heike Scholz

Heike Scholz ist Gründerin von mobile zeitgeist, Mobile Consultant, gefragte Rednerin, Dozentin, Interviewpartnerin und Workshop-Leiterin. XING

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