Vor Kurzem berichtete das ZDF, dass Schwellenländer wie z.B. China und Indien sich aktuell deutlich schneller von der jüngsten Wirtschaftskrise zu erholen scheinen, als dies bei den westlichen Industrienationen der Fall ist. Während letztere nach wie vor unter den Folgen zu leiden haben, entkoppeln sich die ehemaligen Entwicklungsländer und laufen schon wieder auf “Normalmodus” oder haben ihre Wirtschaftsleistung gegenüber dem Niveau vor dem Einbruch sogar deutlich gesteigert. Erstmals wurden Schwellenländer zu Zugpferden der Wirtschaft.
Der insgesamt nun über die Jahre gesehen anhaltende relative Aufschwung bringt für viele Menschen in jenen Ländern nicht nur Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer allgemeinen Lebenssituation mit sich, sondern führt gleichzeitig auch zu einer höheren Konsumorientierung, da man das verdiente Geld verwendet um Konsumgüter anzuschaffen, die man sich zuvor noch nicht leisten konnte.
Hiervon können auch die Hersteller von Mobiltelefonen profitieren – speziell im Reich der Mitte wird sogar ein regelrechter Smartphone-Boom erwartet.
Aber auch in Indien wächst die Zahl der Mobilfunkteilnehmer rasant – insgesamt wurden im Februar 2010 bereits über 560 Mio. Mobilfunkverträge gezählt. Im Zeitraum Januar bis Februar 2010 kamen dabei etwa 20 Mio. (!) neue Verträge hinzu.
Für viele Kunden mag dabei das Mobiltelefon aber nicht nur ein reines Kommunikationsinstrument darstellen, sondern bietet zugleich auch die Möglichkeit erstmals unabhängig von einem (oft) unerschwinglichen eigenen Computer ins Internet zu gehen.
Was dies anhand der hohen Bevölkerungszahlen von Ländern wie China und Indien bedeutet, ist klar: es wächst über kurz oder lang eine zahlenmäßig gewaltige Internet-Nutzerschaft heran, welche mangels Computer so gut wie ausschließlich mobil im Netz unterwegs ist. Für genau diese riesige und bislang unerschlossene Nutzerschaft wird es zahlreiche spezielle Webangebote geben, die sich an den Bedürfnissen dieser Zielgruppe aber auch an den langsameren Internetverbindungen und einfacheren Mobiltelefonen ausrichten.
Einer der ersten die diesen Trend erkannt haben ist Facebook. So verzeichnet die erfolgreiche Social Community nach ihrem Wachstum im Westen nun vor allem in Asien (z.B. in Indonesien) und Mittelamerika (Mexiko) hohe Wachstumsraten.
Facebook reagierte jüngst auf diese Entwicklung mit einem neuen Angebot, genannt “Facebook Zero”, was sich aufgrund dessen reduzierten Erscheinungsbilds konkret an Nutzer von geringen Bandbreiten und einfachen Mobiltelefonen richtet. Der Blog “Inside Facebook” kommentierte folgerichtig:
“[...] As more and more people use Facebook from locations around the world with poor internet and mobile data connections, the company has been trying to customize its products to better reach them. The latest move is a not-yet-launched mobile site called Zero, that Facebook plans to fully introduce in the coming weeks. [...]“
Folgen noch weitere Anbieter dieser Strategie, welche Facebook eingeschlagen hat, so wäre es aufgrund der vielversprechenden werblichen Vermarktungsmöglichkeiten, verbunden mit der schlicht und einfach riesigen neu zu erschließenden mobilen Nutzerschaft in Asien, aber auch der von Mittel- und Südamerika, denkbar, dass Schwellenländer tatsächlich zu Zugpferden des Mobile Internet werden könnten.
Und mehr noch: Gerade in einer aufstrebenden IT-Macht wie Indien, mit seinem bekannten Zentrum in Bangalore, werden auch Angebote entstehen, die ursprünglich für den lokalen (Mobile Internet) Markt erstellt wurden und die sich dann nach einer erfolgreichen Etablierung im Heimatmarkt aufmachen werden um auch den Westen zu erobern. Notfalls werden etablierte Marken halt einfach auch gekauft.
Wer hieran zweifelt, möchte einen Vergleich mit ehemals Ur-europäischen Marken heranziehen. Eines der jüngsten Beispiele: Die schwedische Traditionsmarke Volvo ist seit Kurzem chinesisch. Da bleibt einem eigentlich nur noch eines zu sagen: “Nihao!”
Über den Autor: Niklas Bürger studierte Betriebswirtschaftslehre in München. Schon seit Mitte der Neunziger-Jahre beschäftigt er sich mit dem Internet. Seit den frühen Anfängen des Mobile Internet im Jahr 2000 hat er sich beruflich vor allem auf dieses Themenfeld konzentriert und hat seither dessen komplette Entwicklung mit allen Höhen und Tiefen mitverfolgt. Diese Erfahrung unterstützt ihn heute dabei, Marktentwicklungen einzuordnen und Strategien sowie Konzepte für mobile Anwendungen zu entwickeln. Zur Zeit arbeitet er als Senior Manager bei einem Suchmaschinenanbieter und ist dort für das Thema Mobile Internet verantwortlich.
Bildnachweis
- Der Boom der Schwellenländer: ZDF
- Bauern mit Mobiltelefon: Dipanker Dutta / flickr
- Mobilfunkanschlüsse in Indien: Stockmarketsreview
- Wachstumsraten Facebook: Inside Facebook
Für viele Kunden mag dabei das Mobiltelefon aber nicht nur ein reines Kommunikationsinstrument darstellen, sondern bietet zugleich auch die Möglichkeit erstmals unabhängig von einem (oft) unerschwinglichen eigenen Computer ins Internet zu gehen. Was dies anhand der hohen Bevölkerungszahlen von Ländern wie China und Indien bedeutet, ist klar: es wächst über kurz oder lang eine zahlenmäßig gewaltige Internet-Nutzerschaft heran, welche mangels Computer so gut wie ausschließlich mobil im Netz unterwegs ist. Für genau diese riesige und bislang unerschlossene Nutzerschaft wird es zahlreiche spezielle Webangebote geben, die sich an den Bedürfnissen dieser Zielgruppe aber auch an den langsameren Internetverbindungen und einfacheren Mobiltelefonen ausrichten.
Einer der ersten die diesen Trend erkannt haben ist Facebook. So verzeichnet die erfolgreiche Social Community nach ihrem Wachstum im Westen nun vor allem in Asien (z.B. in Indonesien) und Mittelamerika (Mexiko) hohe Wachstumsraten <Link: http://www.insidefacebook.com/2010/04/06/facebook-sees-solid-growth-around-the-world-in-march-2010/>.

















