Wer in letzter Zeit die Medien rund um den mobilen Kosmos und das Internet mitverfolgt hat, dem ist gewiss aufgefallen, dass sich bei der ehemaligen freundschaftlichen Beziehung von Apple und Google eine tiefe Schlucht aufgetan hat, beide Unternehmen scheinen sich in einem Streit zu entzweit zu haben.
Hierzu veröffentlichte vor kurzem die New York Times einen sehr lesenswerten Artikel.
Bildquelle: Daniel Adel, New York Times
Eine kurze Zusammenfassung einiger wesentlicher Punkte aus diesem Artikel:
Vor drei Jahren noch hatten Google und Apple eng zusammengearbeitet um Such- und Kartendienste auf das damals brandneue iPhone zu bringen und überschlugen sich dabei geradezu mit gegenseitigen Gratulationen. Heutzutage ist es mit derlei Zuneigung jedoch vorbei und man streitet sich unter anderem über Patente, Anwendungen und Unternehmenszukäufe.
Vor kurzem verklagte Apple zudem HTC, ein Hersteller von Smartphones welche unter anderem Googles Betriebssystem Android verwenden, mit der Begründung, dass Patente von Apple verletzt worden wären. Doch dies wurde weitverbreitet als ein Versuch von Apple aufgenommen, hiermit gleichzeitig auch Google anzugreifen und dessen Ausbreitung im mobilen Bereich zu verzögern.
Dies scheint sich auch durch eine Aussage von Steve Jobs, dem CEO von Apple, zu bestätigen, als er Google vorwarf nun auch im Geschäft mit den Smartphones Fuß fassen und das iPhone verdrängen zu wollen, während Apple seinerseits keine eigenen Aktivitäten im Bereich der Online-Suche unternommen hätte.
Der zuletzt genannte Punkt – Apples fehlende Suche – soll Ausgangspunkt für die weitere Betrachtung an dieser Stelle sein. Denn wenn man die Aktionsfelder der beiden Unternehmen (und deren wichtigsten Wettbewerber) miteinander vergleicht (siehe untenstehende Grafik), wird in der Tat deutlich, dass besonders bei Apple beim Thema “Suche” eine Lücke auffällt.
Neben “Online Search” könnten zudem auch die Bereiche “News” und “Maps” zum Thema “Suche” hinzugezählt werden, da beides etablierte Such-Angebote von Google darstellen – “Google News” und “Google Maps”.
Bildquelle: Nick Bilton, New York Times
An diesem Punkt entsteht die Frage: Welche Rolle wird zukünftig die Internet-Suche im Mobile Bereich haben?
Schon heute spricht man darüber, dass die Inhalte des Internets, die nicht in einer Suchmaschine enthalten sind, für die Allgemeinheit gewissermaßen unsichtbar sind („Invisible Internet“), weil sie entweder passwortgeschützt sind (mehr und mehr Zeitungen wie z.B. die New York Times sprechen offen darüber Ihre Inhalte nur für bezahlende Leser bereitzustellen) oder aber nur über eine App erreicht werden können. Bei Groundswell wähnt aufgrund dessen sogar schon das Ende der goldenen Zeiten des Internets.
Etwas Wahres könnte dabei durchaus dran sein. Nutzer von Smartphones wie dem iPhone (und gewiss somit zukünftig auch die Nutzer des iPads, das gemessen an dessen Anzahl der Vorbestellungen in den USA gerade weggeht wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln) bevorzugen lieber eine App als eine (mobil optimierte) Webseite eines Angebots. Dies wird u.a. durch eine Umfrage der Internet-Wirtschafts-Zeitung “Internet World Business” und des Göttinger Marktforschungsinstituts “eResult” bestätigt.
Eine weiterhin verstärkte Nutzung von Apps könnte somit in der Tat langfristig dazu führen, dass die hierüber erhältlichen Internet-Inhalte nicht mehr über einen Browser zu erreichen sind. Ein Internet, bei dem wichtige Inhalte sich nur über Apps erreichen lassen, wird somit aber auch für den Crawler einer Suchmaschine unerreichbar. Der Anbieter des entsprechenden App-Stores entzieht der Suchmaschine somit letztlich Stück für Stück die Kontrolle und die Schnittstellenfunktion.
In diesem Fall ist es also Apple, die (wenn auch nur indirekt über ihren App-Store) einen wachsenden Anteil von Internet-Inhalten einer Suchmaschine wie Google unzugänglich machen könnte. Dabei kann auch schon ein relativ geringer Marktanteil der Apps gegenüber den frei im Internet verfügbaren Inhalten eine Suchmaschine empfindlich treffen, hängt doch der Erfolg einer Suchmaschine sehr stark von dessen (gefühlter) absoluter Vollständigkeit ab.
Mit anderen Worten: Die oben erwähnte Lücke von Apple im Bereich “Suche” könnte durchaus auch kalkulierte Absicht sein und ein Hinweis für die zukünftige (erwünschte) Machtposition des App-Stores sein.
Bleibt nur die Frage: Wann kommt eine „App-Suche“ von Apple die auch in den Inhalten von allen Apps nach Treffern sucht? Denn auch die Inhalte in den Apps wollen ja durchaus gefunden werden und somit ggf. den Nutzer dazu animieren, eine bestimmte App (oder zumindest einen bestimmten Zeitungs-Artikel über einen In-App-Kauf) zu erwerben. Dies würde dann abermals die Machtposition des App-Stores erhöhen.
Google (und natürlich auch die anderen Suchmaschinen) wird seinerseits nach Mitteln und Wegen suchen um mit dieser möglichen Entwicklung umzugehen. Nur eines steht dabei fest: Der Wettbewerb bleibt spannend…
Über den Autor: Niklas Bürger studierte Betriebswirtschaftslehre in München. Schon seit Mitte der Neunziger-Jahre beschäftigt er sich mit dem Internet. Seit den frühen Anfängen des Mobile Internet im Jahr 2000 hat er sich beruflich vor allem auf dieses Themenfeld konzentriert und hat seither dessen komplette Entwicklung mit allen Höhen und Tiefen mitverfolgt. Diese Erfahrung unterstützt ihn heute dabei, Marktentwicklungen einzuordnen und Strategien sowie Konzepte für mobile Anwendungen zu entwickeln. Zur Zeit arbeitet er als Senior Manager bei einem Suchmaschinenanbieter und ist dort für das Thema Mobile Internet verantwortlich.
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