Facebook ist gerade mal erst ein paar Jahre alt, doch schon gibt es Prognosen, dass das soziale Netzwerk im gerade angebrochenen Jahrzehnt Google als meistgenutzten Dienst ablösen wird. Laut Compete.com verbringen Nutzer durchschnittlich sieben Stunden pro Monat auf dieser Plattform, und bezüglich der Visits hat Facebook den Suchmaschinengiganten bereits knapp überflügelt.

Das Interessante dabei ist nicht die reine Abbildung des eigenen Kontakte in einem sozialen Netzwerk, sondern der integrierte Livestream, also alle Aktivitäten, die in den Strom der Facebook-Aktivitäten integriert werden. Dank verfügbarer APIs sind dies nicht nur die Funktionen, welche Facebook bereitstellt, sondern auch andere Statusmeldungen, z. B. über lokationsbasierte Dienste wie Qype oder Foursquare, aber auch andere Plattformen wie etwa die soziale Suche Aardvark, welche direkt oder indirekt (z. B. über Twitter) berücksichtigt werden können. Jedes Element aus dem Livestream kann kommentiert werden, was die Interaktion zwischen Mitgliedern der Plattform fördert.

Während Nutzer ihre aktuellen Ortsinformationen über soziale Dienste wie Twitter und Google Buzz ihren Nachrichten hinzufügen können, was sich insbesondere für die mobile Nutzung über Endgeräte mit GPS-Ortung anbietet, ist es erstaunlich, dass Facebook derzeit noch keine native Unterstützung für lokationsbasierte Nutzung anbietet; und so erscheint die mobile Facebook-Anwendung eher wie ein reduzierter, schnell implementierter Client, ohne wirklich die Möglichkeiten des mobilen Internet zu nutzen. Mit der hauseigenen Entwicklerkonferenz f8 könnte sich das aber nach Informationen der New York Times ändern, und André Vetter wertet das im BasicThinking-Blog als Angriff auf den Wettbewerb und den Datenschutz. Dass sich Facebook diese Option zumindest offenhält, ist seit der letzten Überarbeitung der Datenschutzrichtlinien bekannt.

In Facebook gibt es sogenannte Fan-Seiten, die man abonnieren kann, so dass die Statusmeldungen der abonnierten Seite in den laufenden Livestream integriert werden. Längst machen Unternehmen von dieser Möglichkeit Gebrauch, indem sie über das Eingabefeld „Was machst Du gerade“ ihre aktuellen Angebote veröffentlichen und damit diese Funktionalität als Instrument des Permission Based Marketing nutzen.

Durch Ortsinformationen erweitert wird nun Facebook auch für lokale Händler interessant, wenn diese mit ihren Status-Updates Positionsinformationen mitsenden. Dies kann entweder eine feste Ortsinformation (die des Geschäfts) sein, es könnten aber auch beliebige andere Ortskoordinaten sein – dies ist beispielsweise interessant für über die ganze Stadt virtuell verteilte Coupons, über welche Nutzer, die sich in der Nähe aufhalten, über Statusupdates benachrichtigt werden könnten. Im einfachsten Fall würde bei jedem Statusupdate – sofern der Nutzer sich damit einverstanden erklärt – die aktuelle Position, ermittelt über den integrierten GPS-Empfänger des Smartphones, mitgeliefert. Dies würde allerdings erfordern, dass der Nutzer, welche über Angebote in der Nähe informiert werden möchte, dazu explizite Statusupdates generieren muss. Wenn die Ortsinformationen allerdings mit dem Nutzer selbst verknüpft sind, wäre zu erwarten, dass die mobile Facebook-Anwendung in regelmäßigen Abständen die aktuelle Position des Nutzers erfragt und den Lokationsparameter des Profils regelmäßig überschreibt, so dass die Anbieter ihre Nachrichten nur an Fans in der Nähe versenden lassen könnten. Um andererseits Angebote von Anbietern, deren Fan man (noch) nicht ist, einsehen zu können, könnte man Facebook gestatten, generell Angebote in der Nähe als Empfehlungen (wie z. B. heute schon potenzielle Kontakte oder Fanseiten) anzeigen zu lassen – lokationsbasierte Werbung also. Über die Funktion des „Teilens“ bei Statusupdates mit eingebetteten Links lassen sich dann auch punktuell Angebote von Anbietern weiterleiten, also gewissermaßen Werbung kaschiert als Empfehlung der eigenen Kontakte.

Besser als ungefragt zugesendete Werbung ist das allemal. Doch mit der Anzahl der eigenen Kontakte sowie der hinzugefügten Anbieterseiten wird der Umfang der im Livestream angezeigten Nachrichten so groß, dass die Aufmerksamkeit für die einzelne Nachricht darunter leidet, so dass hier ergänzende Konzepte zur Filterung und Priorisierung von Nachrichten erforderlich sind, wie etwa die Priorisierung von Kontakten (etwa bei www.filttr.com) , das Ausblenden bestimmter Nachrichtentypen oder die Beschränkung auf Statusupdates in der Nähe, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

Fragt sich nur, ob solche oder ähnliche Szenarien mit vertretbarem Aufwand im täglichen Betrieb zu realisieren sind. Das ist sicher von der Anzahl der Angebote pro Zeitraum abhängig als auch die Möglichkeiten, diese automatisiert über Statusupdates in Facebook einzufügen. Beim Einbinden von URLs ist es zudem noch erforderlich, per Captcha zu bestätigen, bevor der Beitrag im Livestream erscheint. Ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt, wird aber jeder, der diese Möglichkeiten ausprobiert, für sich selber beantworten müssen – wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Die Beantwortung der Frage hängt sicherlich davon ab, inwieweit ein Unternehmen seine Marketing-Aktivitäten und insbesondere die Sichtbarkeit seiner Produkte und Angebote bereits auf das Internet ausgedehnt hat.Und wer das Ganze etwas mittelfristiger angeht, der sollte sich eine maßgeschneiderte Lösung für den Export von Angeboten aus vorhandenen Warenwirtschaftssystemen und Import in die von ihm favorisierten Kanäle, von denen Facebook vielleicht nur einer ist, konzipieren und realisieren lassen.

Über den Autor: Dr. Matthias O. Will ist als Projektmanager und technischer Berater zu Innovationsthemen wie Mobile Marketing, Enterprise 2.0 und Social Media sowie als Mentor für Nachwuchskräfte im Rahmen dualer Studiengänge tätig. Sein primäres Interesse gilt der Frage, wie Informationen, Dienste und Ressourcen im Web personalisiert bereitgestellt und verbreitet werden können, um einen Mehrwert sowohl für Anbieter als auch für Konsumenten zu erzielen.