Bis zur Mobile World in Barcelona sah es so aus, als würde Facebook im mobilen Markt eine erfolgreiche, aber vergleichsweise passive Strategie verfolgen: Der außerordentlich talentierte Joe Hewitt transponierte die Facebook Anwendung kongenial und in hervorragender Qualität auf die iPhone Experience. Facebooks iPhone App genoss in der Folge einen fulimanten Erfolg. Hewitt sorgte zuletzt mit einer treffenden Kritik an Apples AppStore Policy für erhebliche Aufmerksamkeit.
Wer die Nutzungszahlen für Facebook mobile ansieht, darf beeindruckt sein: 100 Millionen mobile Nutzer. Jeder vierte Facebook Nutzer nutzt das Angebot mittlerweile mobil. Die Anzahl der mobilen Nutzungsfälle ist dabei doppelt so hoch wie am Desktop. Das klingt so, als könnte Zuckerberg weiter nichts tun als sich zurücklehnen und souverän grinsen.
In der Tat verfolgt Facebook im mobilen Markt ein weitaus ehrgeizigeres Ziel, als nur mit dem Markt zu wachsen. Mit Zero bringen die Kalifornier eine mobile Geheimwaffe auf den Markt. Die Text-Only Anwendung Variante der mobilen Facebook Site ist besonders Carrier-freundlich was den Datentraffic anbelangt. Und das nicht zufällig: in Kooperation mit führenden Carriern wird die Strategie verfolgt, allen Mobilfunknutzern kostenlosen Zugang zu Facebook zu ermöglichen. Nochmal: Allen Mobilfunknutzern. Kostenlos. Auch ohne Daten-Flat. Den Zugriff auf Zero schaltet ein kooperiernder Carrier schlichtweg auf kostenfrei.
Für den Nutzer ist da ein No-Brainer:
- Der Nutzer registriert sich für den Dienst
- Bei Neuigkeiten aus dem Freundeskreis wird er via SMS benachrichtigt
- Er nutzt – zunächst – mit Zero eine Text-only Variante
- Er erfährt darüber, daß Freunde neue Fotos posten
>Der Pull ist unmittelbar und kontinuierlich: der Nutzer will natürlich auch die Fotos sehen - Hierfür benötigt er ein Smartphone und eine Flatrate oder Bucketrate
Das Konzept könnte aufgehen: für Carrier kann sich das rechnen, weil Zero eine Einstiegsdroge für Datentarife und Smartphones ist. Elemente aus der neuen Facebook Strategie dürften den Carriern bekannt vorkommen: Vodafone praktiziert die kostenlose Weiterleitung von Buschfunk-Nachrichten von StudiVZ & Co per SMS bereits seit September 2009. (@its_me_mario: Danke für den ergänzenden Hinweis).
Und nachdem Vodafones Vittorio Colao ja über Google und Yahoos Positionen im mobilen Werbemarkt alles andere als glücklich ist, begünstigen vielleicht auch einige taktische Gesichtspunkte Facebooks aktuelle Verhandlungsposition. Mal sehen, wie geschickt Facebook in Abschlüssen agiert. COO Cheryl Sandberg ist einiges zuzutrauen.















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