VikingsAm gestrigen Mittwoch hat Nokia einen durchschlagenden Erfolg für seine OVI Maps verkündet: 1,4 Millionen Downloads in den knapp 2 Wochen seit Ankündigung der kostenfreien Variante des Dienstes; 1 weiterer Download jede Sekunde.  20 Prozent der Downloads kommen aus China.

Damit setzt Nokia im Markt ein wichtiges Zeichen. Nach positiven Quartalszahlen und steigenden Geräteabsätzen treten die Finnen den Beweis an, dass sie auch mit ihren Services eine breite Masse an Nutzern erreichen können.

Nun ist die Marktdurchdringung – auch mit 1,4 Millionen zusätzlichen Maps-Nutzern – noch vergleichsweise gering: jedes der über 50 Millionen iPhone oder Android Smartphones hat Maps vorinstalliert; die Nutzung von Maps Anwendungen ist bereits intensiv. Nokia hat hier einiges aufzuholen. Die Bündelung einer Navigationsfunktion ist ein deutliches Zeichen, wie ernst Nokia es meint. Nokia’s CEO Olli-Pekka Kallasuvo will denn auch die Anzahl der Navigations-Handys von heute 27 Millionen auf über 50 Millionen verdoppeln.

Aber die Downloads sind lediglich das erste Indiz, was ein breiter Rollout bewegen kann: Ab März werden alle neu verkauften GPS-fähigen Nokia Smartphones Ovi Maps bereits an Bord haben. Das heißt, daß jeden Monat mehrere Millionen Nutzer dazu kommen. Nokia wird somit in 2010 eine breite Nutzerschaft für seine Karten- und Navigationslösung gewinnen. Die Entscheidung, Maps kostenlos zu integrieren ist also in Bezug auf die Marktdurchdringung ein Erfolg.

Nun war Nokia’s Plan vor einem Jahr ein anderer: mit kostenpflichtigen Navigationsdiensten sollte Geld verdient werden. Google’s Offensive, Navigation kostenlos in Android zu integrieren war eine Kampfansage an die Finnen. Nokia’s Entscheidung, gleichzuziehen und Navigation kostenfrei zu machen hat deren CFO sicher Magenschmerzen bereitet: die geplante Refinanzierung der milliardenschweren Navteq-Übernahme über Nutzungsgebühren ist damit geplatzt.

Vielversprechend ist der Deal aus verschiedenen Gründen:

-          Bei der von gate5 entwickelten Maps-App sind die Kartendaten auf den Geräten vorinstalliert. Dadurch entstehen dem Nutzer bei der Navigation nur minimale Datenkosten. Das ist ein Pfund, mit dem Nokia wuchern kann – und mit dem sie insbesondere preissensible Anwender ohne Flat-Rate als Nutzer werden.

-          Die steigende Nutzung der Lokalen Suche bietet Nokia attraktive Möglichkeiten, Maps über Search Advertising zu monetarisieren. Nach einer Analyse der Kelsey Group wird mobile Local Search Advertising außerordentlich stark wachsen und in Westeuropa mit einer CAGR von 139% auf 1,4 Milliarden € in 2013 wachsen.

-          Mit zunehmender Verbreitung wird Maps zu einer attraktiven Plattform für Entwickler. Etliche Unternehmen schrauben bereits an Apps auf Basis des Nokia SDK. Attraktive Apps steigern wiederum die Nützlichkeit der Nokia Maps.

-          20 Prozent der Downloads kommen aus China. Nun hat Nokia in Schwellenländern einen dominanten Marktanteil. Nokia hat sicher hohes Interesse, diese Märkte auch mit digitalen Services zu besetzen.

Glückwunsch an die Berliner Nokia Truppe, die mit Ihrer technisch hervorragenden Maps-Anwendung in 2009 im Schatten von Google und Apple blieben. Schön auch, dass im Markt ein europäisches Gegengewicht zur dominanten Stellung von Google Maps entsteht. Es wird spannend zu verfolgen, wie Apple und RIM auf kostenlose Navigationsdienste reagieren; der Druck wird sicherlich steigen.

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