Der mCommerce steckt zurzeit noch weitestgehend in den Kinderschuhen. Nicht zuletzt, weil sich insbesondere der stationäre Einzelhandel durch die derzeit stark aufkommenden mobilen Preisvergleichsdienste eher bedroht fühlt. Doch diese Angst ist unbegründet, stellt doch der Preis innerhalb einer Kaufentscheidung nur einen Aspekt dar und in Anbetracht der enormen Potentiale, die der mCommerce auch (aber nicht nur) dem Einzelhandel bietet, wäre es sträflich Mobile in der Gesamtstrategie unberücksichtigt zu lassen.
Auch zeigen aktuelle Zahlen, wie die von Pizza Hut, die mit ihrer iPhone-Applikation innerhalb von drei Monaten über eine Million US-Dollar Umsatz generierten, dass mCommerce bereits heute von den Nutzern angenommen wird und einen nicht unerheblichen Beitrag zum Geschäft liefert. Ebay konnte für die Weihnachtsfeiertage 2009 vermelden, dass sie über ihre mobilen Webseiten und ihre iPhone-Applikation 1,5 Millionen Produkte verkauft haben, was einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Wer sich nun umfassend mit dem Thema mCommerce beschäftigen möchte, sucht meist vergebens nach einer guten Einführung. Daher freue ich mich besonders, dass Mirko Klopfleisch (@mobile_mirko) mobile zeitgeist seine wirklich heraus ragende Masterarbeit “Mobile E-Commerce: Business in Motion” exklusiv zur Verfügung stellt, damit wir sie in voller Länge unseren Leserinnen und Lesern zum Download anbieten können.
Mirko Klopfleisch hat in den vergangenen fünf Jahren verschiedenste Positionen in der the agent factory GmbH verantwortet und war bis zum 30. Oktober 2009 als Arbeitskreisleiter Mobile Solutions in der Fachgruppe Mobile des Bundesverbandes digitale Wirtschaft aktiv. Mit Abschluss seines Masterstudiums bleibt er seit 01. Dezember 2009 den digitalen Medien als Assistent der Geschäftsführung bei der Leipziger Unister GmbH weiter verbunden.
Mirko in seiner Einleitung:
Diese Masterarbeit untersucht die Möglichkeiten von Herstellern und Resellern von Waren und Dienstleistungen in Deutschland das Mobiltelefon als eigenen Distributionskanal bzw. als unterstützendes Element bestehender Absatzkanäle einzusetzen. Im Mittelpunkt stehen grundlegende Aspekte des State of the Art. Es werden sowohl die aktuellen Potentiale, Zielgruppen und Warenprofile als auch relevante Erfolgsfaktoren herausgearbeitet und anhand von praktischen Beispielen aus Deutschland und den USA unterlegt. Gleichfalls werden eigene Konzepte als Anregung zukünftiger Entwicklungen vorgestellt.
Und von den einführenden Worten springe ich gleich auf Seite 73 zum Fazit:
Es ist die feste Überzeugung des Autors, dass die mobile Branche zurzeit vor der nächsten Stufe der mobilen Geschäftsmodelle steht. Nach dem Verkauf von Kommunikationsleistungen, digitalen Inhalten im Bereich Infotainment und den aktuellen Modellen der mobilen Werbung wird die Monetarisierung mit dem Verkauf von physischen Waren und Dienstleistungen fortschreiten.
Einzelhandelsorganisationen werden erleben, wie sich verschiedene mobile Dienste um sie herum entwickeln. Im ersten Schritt werden dies eher kleine, mobile Start-Ups bzw. engagierte Größen des Online-Handels mit Themen wie ortsbezogener Produktsuche oder Preisvergleichsportale sein. Deren Backend-Strukturen sind relativ modern und flexibel oder aber bereits auf die mobilen Anforderungen optimiert. Viele klassische Einzelhändler werden wesentlich schwerfälliger reagieren, sie haben Multi-Channel-Distribution und die damit verbundenen Chancen noch nicht erkannt, umgesetzt oder sind mit Engagements im Kanal Internet zurzeit gebunden.
Einzelhändler müssen jedoch bereits für aktuelle Strategien berücksichtigen, dass die Kunden Preise in ihren Ladenflächen mit dem Handy überprüfen, Informationen zu Läden mit dem Mobiltelefon suchen, Bewertungen von Produkten einsehen und so den Einkaufsprozess mit aktuellem Wissen und ihren Präferenzen steuern können. Kunden können mit dem Handy schnell herausfinden, wie ehrlich, zuverlässig und kundenorientiert ein Einzelhändler ist, neben dem harten Preisargument wichtig für die Kaufentscheidung. Diesen Trend zu vernachlässigen, wird kurzfristig kaum in den Bilanzen zu spüren sein, da die mobile Zielgruppe verglichen mit dem gesamten Käuferstamm zurzeit eher gering ist. Aber dies wird sich mittel und langfristig ändern.
Einzelhändler sollten bereits jetzt einplanen, dass Kunden bspw. ihre Websiten von mobilen Browsern aus besuchen und eine optimierte Kommunikationsstrategie entwickeln und Budgets für Investitionen in Mobile E-Commerce-Piloten zu ihren Plänen 2010-2011 bereit stellen, mit denen sie Erfahrungswerte in ihren Käufergruppen sammeln können.
Dies heißt nicht, dass man die Seiten zwischen der Einleitung und dem Fazit nicht lesen sollte, ganz im Gegenteil. Ich hoffe, diese Klammer hat ausreichend Appetit gemacht, sich gleich auf das gesamte Werk zu stürzen. Von mir auf jeden Fall eine absolute Leseempfehlung.
mCommerce Masterarbeit MKlopfleisch (6.1 MiB, 677 hits)
Viel Spaß bei der Lektüre.
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