Profi-Lösung für mobiles Internet, in der werbefinanzierten Version sogar kostenlos: mit Wapple lassen sich Websites mit vielen Design-Optionen und Widgets – u.a. für Mobile Marketing – bauen. Die Seiten stellen sich auf das Endgerät ein und sollen, wie an vielen Beispielen belegt wird, optimale “User Experience” bieten: das Mark-up wird dem Endgerät angepasst mittels des “Wapple Device Profiler”, der das Format nach Browser und Display-Größe/Auflösung einstellt.
wapple ist ein besonders ausgefeiltes Tool unter den mobilen Homepage-Baukästen und wirklich sehr vielfältig. Allerdings ist die Vielfalt nicht so spektakulär wie bei Systemen, die etwa auf “Sharing” und Web 2.0 setzen. Hier geht es eher tüftelig (aber grandios!) um viele Design-Varianten und eine komplette Einarbeitung würde schrecklich viel Zeit kosten.
Der große Feature-Reichtum hat auch Nachteile: die Gestaltungsfreihzeit von wapple wirklich ausnutzen, würde externe Style-Sheets einschließen. Ob Wapple aber wirklich in der Lage ist, korrekte Styles auf allen Endgeräten richtig umzusetzen, darf bezweifelt werden. Einzelne Tests weisen darauf hin: z.B. Editieren des internen Style-Sheets. Auf Änderung der Schriftgröße reagiert die Vorschau nicht, auf fett/normal schon. Ersterer Fehler ist ganz praktisch, denn Schriftgröße per Style wird oft nicht richtig umgesetzt. “Font-weight” per Style ist problematisch, denn einfache Handys reagieren nur auf “<strong>”. Solche Kleinigkeiten sind an sich nicht problematisch, aber bei der Riesen-Vielfalt an Parametern werden sich immer Fehler einschleichen, das System ist kaum testbar.
Im Großen wirkt das System aber gelungen und reif. Wapple Canvas (TM) Zest wurde 2008 auf der CTIA vorgestellt (… makes it easier than ever to get a mobile site up and running – so Wapple.net Ltd., UK / bei Birmingham) und die letzten Änderungen datieren vom Sommer 09.
Schnell läßt sich eine kleine Site erstellen mit den üblichen Grundmodulen Texte, Grafik, Kontaktformular – vor allem, wenn man das “Quick Start Template” benutzt. Dort lassen sich z.B. Grafiken für die Seiten alle zusammen hochladen. Tipp: den Quick Start kann man auch nutzen, wenn bereits Seiten erstellt sind, es wird nichts überschrieben und so lassen sich gleich mehrere Seiten mit buchstäblich einem Klick anlegen. (Kleine Schwäche der Benutzerführung: oft kann z.B. nicht einfach zurückgegangen werden. Zum Glück gibt es aber eine Brotkrümel-Navigation, am besten hält man sich gleich nur an diese.)
Interessanter ist es, die freien Kombinationsmöglichkeiten auszunützen. Wichtig im Gegensatz zu anderen Systemen: die Site besteht aus Pages, und diese aus “Chunks”: sozusagen Module, die verschiedener Natur sein können. Text, Graphik, Formular, Menü, ein RSS-Feed, div. Ad-Systeme (z.B. Admob), Google-Adsense, -Analytics, -Maps und viele andere Plug-Ins, auch für Zahlung, z.B. PayPal. Leider ist bei einigen recht wenig dokumentiert.
Sehr komfortabel ist der RSS-Chunk: außer Anzahl und Länge der Artikel können diverse Formate und praktischerweise auch eine Cache-Dauer eingestellt werden. Außerdem werden ausgehende Links in den mobilisierten Feeds dankenswerterweise ebenfalls mobilisiert. Wer also einen mobilen Aggregator bauen möchte, ist hier besonders gut beraten.
Schnell geht, wenn einmal Chunks erstellt sind, die Bestückung der Seiten damit. Chunks einer Seite können auch auf andere übertragen bzw. als Vorlage genutzt werden. Und auf den bestückten Seiten können Chunks einfach per Drag&Drop verschoben werden. Alles gelungen auf effektives Arbeiten hin.
Während die Chunks vergleichbar mit anderen Systemen sind, ist das Konzept der “Mega Chunks” eine Besonderheit: verschiedene Chunks, z.B. Grafik, Copyright-Text und ein Footer-Text können in einem Mega-Chunk zusammengefasst werden, der dann in verschiedene Seiten kopiert werden kann. Doch der wirkliche Clou besteht darin, dass der Mega-Chunk nachträglich geändert oder ergänzt werden kann – und dann auch aktualisiert auf den betreffenden Seiten erscheint. Also analog zum dynamischen Verknüpfen bei MS Office bzw. in der HTML-Welt zum Iframe. Damit können die komplexesten Sites schnell gebaut und vor allem auch gewartet werden.
Videos: Nr 1 und 2 zum Orientieren, Nr. 3 für die Mega-Chunks.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen, Beispiele, u.a. zu Ice Age und die Mobi-Site zur Internet World 2009 gibt es in der Site-Galerie, die gut gemacht ist. Ergänzend gibt es “Case Studies” und – natürlich – beste Referenzen, z.B. von Alfa Romeo
Über den Autor: Dr. Eckard Ritter betreibt eine Agentur für Tourismuswerbung – u.a. “Urlaub in Deutschland” (PC-Web, mobiles Web, RTL-Teletext, Print) – und entwickelt Tools für das Mobile Web. Ziel ist die effektive Kommunikation und Werbung mit modernen Medien – im Kundenauftrag und aus Begeisterung dafür – und damit Integration vielfältiger Kanäle wie PC+Handy, barrierefreie Formate, Video, Audio, Blogs und Microblogging (Twitter) sowie Teletext. Mehr über Eckard bei XING.













