Nokia World 2009 Wrap-up

7. September 2009 14:52 Unternehmen, Veranstaltungen

Diese Woche fand in Stuttgart die Nokia World 2009 statt. Zwei Tage, rund 2.000 Gäste, eine perfekte Organisation, ein offenes und durchdachtes Veranstaltungskonzept mit einer wundervollen, entspannten Stimmung. Mit einfachen Worten: Es war toll!

Ich möchte hier nicht alle Informationen wiederholen, die hinlänglich in anderen Medien kommuniziert wurden. Was ich beschreiben möchte sind ein paar ganz persönliche Eindrücke und Dinge, die mir aufgefallen sind. Es wird also keine Bilder vom Eingang der World, den Gästen vor dem Einlass in den Konferenzsaal und Reviews der neuen Devices oder Services geben. Ich werde aber genug Links zu aus meiner Sicht guten Quellen zur Verfügung stellen, damit auch diese Informationen nicht zu kurz kommen. Und ich werde sicherlich nicht über alles schreiben, was es Neues auf der World 2009 gegeben hat, das würde diesen Blogpost sprengen. Also ‘just my 2 cents’.

Immerhin hat Nokia einen guten Plan

Am ersten Tag der NW09 hat Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo, Auftritt ohne Sakko und Krawatte, in seiner Keynote gleich  Selbstironie bewiesen indem er sagte “to create change in a large organisation you need a great plan and a charismatic leader, at least we have a great plan”. Großartig!

Kurz nach dem ersten Vormittag sprach ich mit jemandem, der mir gleich sagte “Der Versuch, wie Steve Jobs daher zu kommen, sei ja wohl für Olli-Pekka nicht so gut gelaufen.” Ich denke nicht, dass OPK auch nur ansatzweise vor hatte, mit jemandem wie Steve Jobs oder auch Steve Ballmer mit zu halten. OPK ist sicherlich viel zu schlau, sich in punkto Charisma (oder auch cholerischem Verhalten) mit seinen Kollegen zu messen, siehe seine Aussage oben. Aus meiner Sicht passte sein Auftritt zu dem, was er sagte. Denn er betonte mehrfach, dass Nokia nun zuhören würde und offen sei für den Dialog mit seinen Kunden. Diese Aussagen hätten von ihm nicht so glaubwürdig präsentiert werden können, hätte er Anzug und Krawatte an gehabt.

Jede Menge neue Gadgets

Nach OPK betrat Anssi Vanjoki, Executive Vice President Markets, die Bühne und griff zu gewissen “Verschleierungstaktiken” als er sagte, dass sich das N97 und das 5800 (schon im Januar 2009 eine Million Mal verkauft) bisher insgesamt 10 Millionen Mal verkauft hätten. Warum dieses Zusammenziehen zweier Geräte? Das N97 wurde als Flagship gelauncht, sollte der würdige Nachfolger des N95 werden und fiel zumindest bei den Online-Kritikern durch. Bis heute sollen insgesamt zwei Millionen N97 abgesetzt worden sein. Auch ich hatte mich gefreut, das N97 testen zu dürfen und war ein wenig enttäuscht. Das N97 hat wundervolle Ansätze und Ideen, aber im “Finishing” hat es dann leider an vielen Stellen nicht gereicht. Aber das wäre etwas für einen Extra-Blogpost.

Hat nun Nokia nach den Erfahrungen mit dem N97 nachgedacht – zugehört wie OPK es ausdrückte – und nun das N97 mini nachgeschoben? Es sieht fast so aus, denn das N97 mini kommt schlanker, leistungsfähiger und günstiger (450 Euro vor Steuern) daher als der große, ätere Bruder. Für ein ausführliches Review des N97 mini verweise ich an dieser Stelle gern an Hasan vom Symbian Mobile Blog.

Anssi hat dann noch die weiteren neuen Geräte vorgestellt: Das X6, ein wirklich todschickes Touch-Handy mit 32-GByte-Speicher und Musik-Flatrate “Comes with Music” für 415 Euro netto (hier das Teaser Video vom X6). Gefolgt vom kleinen Geschwisterchen, dem X3 (ebenfalls mit Musik-Flatrate) für 115 Euro vor Steuern (Video X3). Beide Geräte werden noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf dem Markt sein.

Im Grunde warteten alle auf die Stellungnahme zum N900, dem ersten Maemo-Gerät, das Nokia kurz vor der Nokia World gelauncht hatte (Preis 500 Euro netto). Hoch gingen die Wellen in der Online-Welt, ob Nokia Symbian als Betriebssystem zumindest mittelfristig fallen lassen würde. Ein Artikel in der FTD hatte dies behauptet und leider wurde diese Quelle effektheischend immer und immer wieder über alle Mediengattungen hinweg wiederholt und Nokia wurde nicht müde, immer und immer wieder zu betonen, dass es keine Abkehr von Symbian geben wird. Aus meiner Sicht wäre Nokia auch nicht gut beraten, Symbian den Laufpass zu geben. Allerdings kann und wird Symbian auch nicht das einzige Pferdchen sein, auf das Nokia setzen wird. Die (Quasi-)Trennung von Symbian mit der Überführung in die Symbian-Foundation hat den Weg auch für andere OS frei gemacht. Und das ist die einzig vernünftige Strategie, die Nokia hier gehen kann. JMHO.

Anssi Vanjoki stellte also das N900 (Touchscreen und QWERTZ-Tastatur) vor und bezeichnete es als “Computer der neuen Generation”, mit dem man allerdings auch telefonieren könne. Es ist ein Drahtseilakt, ein “Flagship” N97 heraus zu bringen, dies mit einem besseren und günstigeren N97 mini nur wenige Wochen später im Grunde lächerlich zu machen (und die zwei Millionen Käufer des N97 gleich mit) und dann einen “Computer” nach zu schieben, der im Grunde zeigt, wohin auch bei Nokia die Reise mit den Smartphones neuester Generation nur gehen kann. Auch wenn sich in meinen Augen einige Features, wie zum Beispiel das Kreisemalen auf dem Display zum Vergrößern der Ansicht, nicht durchsetzen werden, so ist doch das N900 ein notwendiger Schritt für Nokia. Ein ausführliches Review mit vielen Bildern und Videos vom N900 gibt es hier.

Ganz im Gegensatz zum Booklet 3G, welches ebenfalls auf der Nokia World vorgestellt wurde. Aus meiner Sicht hat Nokia sich nun in den Netbook-Markt vorgewagt, da diese Geräte bei jungen Leuten sehr beliebt sind und genau hier Nokia in den vergangenen Monaten sehr stark an Markenbekanntheit und Akzeptanz verloren hat. So betrachtet mag Nokias Schritt sinnvoll sein, ob es am Ende klappen wird, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich jedoch ist das Booklet 3G totschick und sollte jedem, der sich ein Netbook zulegen möchte einen Blick wert sein. Ewan vom Mobile Industry Review jedenfalls ist vom Booklet 3G ziemlich begeistert.

Die Gadgets, die Nokia am ersten Tag der Nokia World 2009 vorgestellt hat, haben eine Menge Buzz in den Medien erzeugt. Eine gute Zusammenfassung mit vielen Links zu seinen Videos hat Chris auf slashgear veröffentlicht. Meiner Meinung nach liegen die echten Innovationen und entscheidenden Strategien in den Services, die Nokia am zweiten Tag vorstellte.

Nokias Zukunft liegt in den Services

Leider wurden in Stuttgart keine Zahlen aus dem Ovi Store verkündet, doch Kai Oistamo, Nokia’s EVP of Devices hat in einem Telefonat mit US-amerikanischen Reportern ein paar Fakten gennant:

In den drei Monaten, in denen der Ovi Store jetzt online ist wurden etwas über zehn Millionen Downloads (Content und Applications) durchgeführt. Nokia selbst sagt, dass ein durchschnittlicher Nutzer sechs Downloads vornimmt, was zu 1,67 Millionen Nutzern des Ovi Stores führt. Berücksichtigt man Nokias weltweite Penetration mit Endgeräten, von denen der Ovi Store 100 unterstützt, dann sind die Zahlen doch etwas enttäuschend. Das Wachstum der Downloadzahlen ist mit 50 Prozent vom Juli auf den August allerdings recht ordentlich.

Warum die Zahlen des Ovi Stores noch nicht wirklich berauschend sind, erklärt sich wenn man berücksichtigt, dass er auf den meisten Endgeräten noch nicht vorinstalliert ist und der durchschnittliche Nutzer diesen Installationsvorgang in der Regel gar nicht oder eben noch nicht durchgeführt hat. Mit dem Ausrollen neuer Geräte, auf denen der Ovi Store bereits eingerichtet ist, wird sich dies sicherlich ändern. Auch hat der Ovi Store noch ein paar Schwächen, zum Beispiel das Fehlen einer “Try-before-Buy”-Option oder die Abbildung von Screenshots der Applikationen. Dies soll und ist teilweise bereits verbessert worden.

Ebenfalls spannend fand ich am zweiten Tag die Vorstellung von Nokia Money, das ja auch schon vor der Nokia World gelauncht wurde. Nokia setzt hier, wie auch viele andere, auf die Emerging Markets, um insbesondere die under- bzw. unbanked zu erreichen. Auf dem S60blog findet sich eine gute Zusammenfassung und dieses Video von der NW09 zu Nokia Money:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=huv689YaPCM[/youtube]

Und es wurde gespannt auf den Autritt von Henri Moissinac, Head of Facebook’s Mobile Division, gewartet. Und Henri hatte beeindruckende Zahlen dabei. 250 Millionen Facebook Nutzer weltweit, davon haben in den vergangenen 30 Tagen 65 Millionen von ihrem mobilen Endgerät auf Facebook zugegriffen. Es soll kurzfristig eine Symbian-Applikation von Facebook geben, die bisher zugunsten der iPhone-App zeitlich nach hinten geschoben wurde. Nokia wird Facebook auf vielen seiner neuen Geräte unter anderem dem N97 mini, X3 und X6 integrieren, denn “Teilen ist das neue Verschicken”, sagte Nokia-Top-Manager Anssi Vanjoki.

Dann war da noch die Verbesserung von Ovi Maps, die in großen Teilen in Berlin entwickelt werden. Ovi Maps hat jetzt eine Fußgängernavigation, die nicht nur die Routen entlang der Straßen kennt sondern auch die Abkürzung durch den Park. Larry Kaplan, der Chef von Navteq, zeigte noch weitere Features wie die Navigation durch Sehenswürdigkeiten oder die Unterstützung durch Orientierungspunkte bei der Navigation, so dass das Navi einem sagen kann “an der zweiten Ecke, hinter der Tankstelle, rechts abbiegen”.Und Nokia meint es Ernst in Sachen Navigation: Für 50 Euro netto erhält man zum N97 ein Auto-Set inklusive für zwei Jahre lang die Karten-Updates dazu.

Hier noch ein Video-Wrap-up von Nokia:

Fazit und Dank

Die Nokia World 2009 war ein wirklich gelungenes Event. In einer professionellen und entspannten Atmosphäre hat Nokia gezeigt, dass der Gigant sich eben doch bewegt. Wie einer dieser Riesentanker braucht Nokia lange bis man den Kurswechsel sehen und spüren kann. Nicht nur die Nokia World 2009, die von vielen schon als die “beste”, die Nokia jemals gemacht hat, bezeichnet wird zeigt, dass sich etwas ändert. Die noch in Stuttgart veröffentlichte Entscheidung, keinen Messestand auf dem Mobile World Congress 2010 in Barcelona zu haben, ebenso wie die kurzfristige Absage der IFA sind weitere Hinweise darauf, dass Nokia sich mehr auf den direkten Dialog konzentrieren wird. Die vielen Blogs und Online-Aktivitäten von Nokia unterstreichen es deutlich, dass man zuhören und reden will.

Ich bedanke mich für die Einladung zur Nokia World 2009 und wer mich kennt weiß, dass ich keinen Hang zur Hofberichterstattung habe. Doch dies war wirklich und ganz ehrlich eine wundervolle Veranstaltung, mit vielen Einblicken und spannenden Gesprächen, top organisiert vom gesamten Team.

Und wer jetzt immer noch nicht genug hat, der kann sich auf einem der besagten Nokia Blogs, Nokia Conversations, noch die Video Highlights ansehen.

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Heike Scholz

Heike Scholz

Heike Scholz ist Gründerin von mobile zeitgeist, Autorin, gefragte Rednerin, Dozentin und Workshop-Leiterin. Mehr auf ihren Webseiten oder auf XING

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