Es ist fast Herbst 2009 und auch wenn es noch recht früh ist, ein Jahr abzuschließen und zurück zu blicken möchte ich doch uns Mobilisten etwas Geduld an’s Herz legen. Inspiriert von einem sehr interessanten Gespräch heute nachmittag mit Heinrich Seeger, Journalist und Medienberater, in dem es unter anderem auch darum ging, wann denn nun endlich “Mobile” seine ganze Schönheit und vor allem Umsatzpotentiale entfalten würde. Wir Mobilistas werden nicht müde, diesen Durchbruch für das jeweils kommende Jahr voraus zu sagen. Doch leider blieb er bisher in der ersehnten Form aus.
Wirklich? Wir werden 2009 mit einer Penetrationsrate von 17 Prozent im Hinblick auf mobile Internetzugänge abschließen. Das entspricht der Rate, die stationäre Internetzugänge 1999 erreicht hatten. Und das Wachstum im mobilen Markt ist erheblich höher als das der vergangenen Dekade im stationären Internet. Wir sind also auf einem sehr guten Weg, befinden uns in einer Wachstumsbranche und können im Grunde nicht klagen. Schauen wir uns die Entwicklung des Internets an. Hier haben wir in diesem Jahr das fünfzehnjährige Bestehen des Internets gefeiert. Doch im Grunde entfaltet das Internet erst jetzt in kleinen Schritten seine vollständigen Möglichkeiten. Wir kratzen hier sozusagen erst an der Oberfläche und befinden uns in einer der spannendsten Zeiten, Neues im Internet zu kreieren. Das Web 2.0 (ein fürchterlicher Ausdruck, aber sehr schön einprägsam) steckt noch in seinen Kinderschuhen. Und genau so zerstörerisch wie das Internet an vielen Stellen ist, so schafft unsere Nutzung des Netzes doch auch so viel Neues, Kreatives, Umsätze, Arbeitsplätze, neue Lebenskonzepte, Erkenntnisse, Kontakte, Hilfe und und und.
Wie jung und teilweise geradezu infantil kommt da noch Mobile daher. Klingeltöne, Wallpaper, dann kam lange Zeit nicht viel. Heute reden wir uns die Köpfe heiß über Betriebssysteme, Applikationen, App Stores und Mobile Advertising. Die Unzulänglichkeiten und Unfertigkeiten ganzer Teile des mobilen Ecosystems sind offensichtlich, doch jeden Tag wird es besser. Das gigantische Potential, das in Mobile liegt haben selbst wir Insider wahrscheinlich noch nicht einmal ansatzweise erkannt.
Für uns in den entwickelten Märkten ist häufig der Blick dafür verstellt, was mobile Technologien in anderen Ländern für soziale Revolutionen auslösen, wenn dort den Menschen mit mobilen Endgeräten erst der Zugang zu Diensten und notwendigen Services ermöglicht wird. Gerade mHealth und das Mobile Banking eröffnen Millionen von Menschen Perspektiven für ein besseres Leben.
Ja, wann kommt denn nun der Durchbruch von Mobile? Er ist bereits da. Doch es ist nicht so, dass wir morgens aufwachen und der Massenmarkt springt uns vor der eigenen Haustür an. Wir wachsen, mit enormen Zuwachsraten und anstatt immer das El Dorado hinter dem nächsten Hügel zu vermuten, sollten alle Beteiligten stolz auf das Erreichte sein und etwas mehr Gelassenheit an den Tag legen. Mobile wird sich nicht aufhalten lassen und das dominierende Medium werden. Auf der ganzen Welt. Ganz sicher!
Noch ein abschließender Absatz von Jeremy Laws, der mit Cabana Mobile einen sehr lesenswertes Blog schreibt.
I think many of us, who consider ourselves mobile entertainment “veterans”, are getting battle weary waiting for this to become a real business or become a truly entertaining medium. But 10 years really isn’t that much time in the development cycle of a medium…it just feels that way in our time compressed, muti-tasking, quarterly reporting, 140 character thought-byte world. We need to take comfort/pride/heart in the knowledge that we are, in fits and starts, building the steel structure that will support a giant (and hopefully creatively interesting) business that will be important for generations.
In diesem Sinne “Good night and good luck.” Übrigens ein genialer Film mit einem großartigen Soundtrack mit Dianne Reeves.
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