Der Einsatz von Social Media Tools und Mechanismen nimmt auch im Prozess, mobile in den App Stores zu platzieren, zu. Aufgrund der Vorreiterrolle, Größe und Beliebtheit bei den Medien des App Stores hört und liest man immer mehr über die begleitenden Maßnahmen von Entwicklern schon bevor sie ihre bei einreichen. Dies geschieht seitens der Entwickler nicht ohne Hintergedanken. Denn schaffen sie es, einen möglichst großen Buzz zu erzeugen, rechnen sie damit, dass sich um so schwerer tun wird, die Applikation womöglich abzulehnen. Erfolgt die Ablehnung durch , hat man den Boden für das Jammern und Wehklagen über die angebliche Ungerechtigkeit gut bereitet.

Ein aktuelles Beispiel ist Spotify, ein on-demand Musikdienst. Spotify hat eine App entwickelt und mit einem Post auf dem eigenen Blog auf die Einreichung im App Store hin gewiesen. Wie gut die neue App ist, wurde dabei gleich noch mit einem Video belegt. Etliche Journalisten und Redakteure erhielten noch eine Vorabversion. Das Ziel wurde erreicht, es wurde fleissig über die neuen Features der Spotify App berichtet, bevor sie überhaupt im App Store auftauchte.

Auch RealNetworks ist diesen Weg mit seiner Rhapsody App gegangen.

Die Frage, die sich nun stellt ist, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß vom Ausmaß des Buzz in seinem Genehmigungsprozess beeinflussbar ist. Denn wäre es möglich, einer Applikation einen Vorteil allein dadurch zu verschaffen, dass im Vorfeld der Veröffentlichung schon so viel berichtet wird, dass gar nicht mehr anders kann, als die Applikation zuzulassen, wäre das Genehmigungsverfahren korumpiert.

Doch noch ein anderer Aspekt trägt zum Druck auf diese Prozesse bei. Trotz der sehr guten Beziehungen zwischen und Google zögerte Google nicht im mindesten, die Ablehnung von Google Voice im App Store öffentlich zu machen. Die Folge? Die US-amerikanische Aufsichtsbehörde FCC hat eine Untersuchung des Genehmigungsprozesses bei begonnen und dieses Verfahren dauert an.

Gestern nun tritt einer der Stars der Developer Szene, Joe Hewitt, mit einem Blogpost an die Öffentlichkeit, in dem er seinen Frust über den Genehmigungsprozess bei klaren Ausdruck verleiht. Hewitt ist nicht irgend jemand, sondern der Softwareentwickler von Facebook, deren Applikation von der Online-/Mobile-Gemeinde sehnsüchtig erwartet wird.

reagiert auf diese Entwicklung und schickt seinen Marketing VP Phil Schiller ins Rennen, für den Genehmigungsprozess bei den Developern zu werben. Und sicherlich werden auch intern Maßnahmen ergriffen, möglichst nicht noch einmal so etwas wie bei Google Voice erleben zu müssen.

Neues Ungemach droht nun durch das Bekanntwerden von bezahlten Reviews, die den Entwicklern offen angeboten werden, wofür aber nicht verantwortlich zu machen ist. Hier hat ein Unternehmen seine Dienste und die seiner eigenen Redakteure Entwicklern angeboten und einer hat dies offensichtlich nicht angenommen sondern veröffentlicht. Die Empörung der Online-Community ist groß – in meinen Augen etwas zu groß, denn es war doch klar, dass solche Dienstleistungen angeboten werden würden und zwar nicht erst seit Existenz eines App Stores. Denn wer glaubt, dass alle Rezensionen, egal ob bei Amazon, Ciao oder auf anderen Plattformen frei von Manipulationen wären, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

Das Meiste (die beschriebenen Manipulationen ausgenommen), das wir hier sehen, sind “Unwuchten”, die neue Märkte und die mit ihnen verbundenen neuen Prozesse mit sich bringen. Was bemerkenswert daran ist, sind aus meiner Sicht zwei Dinge. Zunächst die unglaubliche Geschwindigkeit, mit der hier gehobelt und geschliffen wird. Hier zeigt sich, dass die Mobile Industry durch die Vorarbeit der Onliner eine noch höhere Schlagzahl an den Tag legt. Die zweite Beobachtung, die ich gemacht habe, ist die Offenheit, mit der diese Dinge diskutiert werden. Diese ist beileibe nicht immer von den Protagonisten so gewollt, doch die “Nerd-Themen” rund um neue Technologien, Gadgets und nicht zuletzt das immer wieder polarisierende Unternehmen erzeugen online eine solche Aufmerksamkeit, dass eine Kommunikation nach herkömmlichen Mustern schwerwiegende Folgen haben kann, wie der Fall Spinvox gerade zeigt. Und hier schließt sich der Kreis der Social Media Mechanismen.

Für alle Entwickler, die hoffen, mit mobilen reich zu werden, stellt sich nun die nächste Herausforderung. Das Marketing beginnt nicht erst, wenn man um die fünf Sterne im App Store kämpft. Weit vorher gilt es, eine treue Fangemeinde und Community aufzubauen und genug Buzz zu erzeugen, um sicher zu stellen, dass die App überhaupt in den Store gelangt. Bei werden rund 20 Prozent aller eingereichten abgelehnt, im Android Market Place ist es 1 Prozent. Wird seine Prozesse radikal überarbeiten müssen?

Update 27.08.2009:

Spotify wurde heute im App Store zugelassen.

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