Die Diskussion, ob Entwickler ihre Ressourcen auf die Entwicklung von iPhone Applikationen konzentrieren, welche Plattformen sie noch berücksichtigen oder anders herum, welche sie ignorieren sollten, ist in vollem Gang. Wie eigentlich immer, wenn es um das Smartphone aus dem Hause Apple geht, stehen sich die verschiedenen Positionen häufig unversöhnbar gegenüber. Daher einmal mein Versuch, Daten und Standpunkte zusammen zu tragen. Es ergibt sich hoffentlich eine angeregte Diskussion.

Weltweiter Smartphone-Absatz nach OS (Quelle: Gartner)

Nokia und Linux haben verloren, Apple, RIM und Palm massiv gewonnen. Wer jetzt schon Symbian tot sagt, der schaue bitte auf die absoluten Zahlen und den Marktanteil von immer noch über 50 Prozent, trotz der herben Verluste.

Entwickel für das iPhone – vergiss die anderen 99%!

Abgesehen von ein paar Verwerfungen beim App Store und der Verlängerung von Entwicklerverträgen kann man festhalten, dass der App Store mit inzwischen rund 25.000 Applikationen ein Erfolg ist. Zumindest für Apple. Warum das iPhone relevant ist, hat Teemu Kurppa sehr anschaulich in einem Folienvortrag zusammen gefasst.

Niemand wird ernsthaft abstreiten, dass Apple einen riesigen Schritt hin zu einer verbesserten User Experience gamacht hat. Die Usability des iPhone ist genial und für Entwickler ist die Abwicklung insbesondere des Bezahlvorgangs ein Segen. Doch reicht dies für ein Businessmodell? Wenn vielleicht auch nur für ein bis zwei Developer, die in einer kleine Bude irgendwo in Berlin Wedding sitzen? Kann es reichen, eine Applikation zu entwickeln und diese im App Store unter zu bringen? Sicherlich nicht.

Heute vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens fünf bis zehn Meldungen veröffentlicht werden, die alle gleich lauten: “X hat eine iPhone App gelauncht. Jetzt im App Store verfügbar.” Das ist dermaßen langweilig, dass man mittlerweile schon genervt wegschaut. Die Tatsache, eine gute iPhone App erstellt zu haben reicht schon jetzt nicht mehr, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Aufwendungen für das Marketing steigen also mit jedem weiteren Tag. Wer in den 25.000 Applikationen nicht gefunden wird, verdient auch kein Geld, wer gefunden werden will muss Geld ausgeben.

Matthaus Krzykowski, Autor bei VentureBeat, hat sehr anschaulich die Position der VCs zusammen gefasst:

Based on my exchanges with VCs/operators and observations (MWC) in recent weeks I find there is a hype around the app store model among the startup community which has little economic justification. This is a tough year for mobile startups and there’s little on the app store front which can change that for them.

Mind you, I understand the enthusiasm of startups when they get into the Apple app store. At VentureBeat we get companies telling us every week that even though they’ve got 5% iPhone users they make up 30%-70% of the actual usage of their service. Getting into the app store is a powerful emotional moment of success for startup teams. VCs, however, have all seen this effect for months and it’s old news for them. To get more funding, startups rather need to answer the question “what’s next ?” VC funding into the consumer mobile segment has decreased in the last 9 months or so. Pitches based on the app store model rarely work, from my observations. If you present numbers like “if you sell 50,000 over 6 months you’ve made £349,500. Give 30% to Apple and you walk away with £249,650″ – that’s a possible Angel or “lifestyle” investment.

Pretty much anyone going for a company which may get funds from a VCs needs to look to develop their stuff independent of platform concerns. Based on my talks at MWC I don’t see how the app store model really changes the operator business in the next 12 months, either. Mind you, that may be my confusion (again!), though, as I continue to be surprised how different views on issues like this are in this industry ;) I talked to 6 operators and they all see different things happening and all react to these things differently. What I see, though, is that the business of device makers is changing. Their pitches to operators have become different, I’m told. “My device increases the sales of your data plan via apps/MSN” is becoming a winning formula for some device makers and their competition has to react. This segment of the industry will change a lot this year, imo.

Nicht-iPhone-Besitzer wissen gar nicht, wie man Applikationen installiert

Das bringt uns wieder zu der bisher suboptmialen User Experience beim Herunterladen und Installieren von Applikationen und Content in der Prä-iPhone-Ära. Doch wenn es auch nicht besonders elegant war und ist, so wurde und wird es doch millionenfach gemacht. Wie sonst wären Jamba/Fox Mobile im Content-Bereich und Plattformen wie getjar beim Vertrieb von Applikationen so erfolgreich gewesen. Also vorsicht mit den liebgewonnenen Vorurteilen und jetzt bitte nicht den ewigen Scherz hervor holen, dass wenn die Installation geklappt hat, finden die Nutzer die Applikation in der Menüstruktur nicht wieder. Die Usability muss verbessert werden, da besteht Konsens und es reicht nicht, nur den direkten Download (ohne PC) zu realisieren.

Welche Plattformen also wählen?

Grundsätzlich ist das natürlich davon abhängig, für welche Nutzergruppe eine Applikation gedacht ist.

Meiner Meinung nach wird in der Zukunft Android eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Informa Telecoms & Media sagt für 2012 voraus, dass Android Apple überholen wird.

Symbian wird noch für einige Zeit seinen Marktanteil behaupten können. Allerdings muss sich Nokia bei den Smartphones etwas mehr ins Zeug legen. Das traue ich Nokia zu und bin gespannt auf das N97 und weitere Modelle. Allein aufgrund seiner Reichweite sollte Symbian immer ganz oben stehen, vorausgesetzt man hat einen für alle Beteiligten vernünftigen Distributionskanal. Doch der soll mit dem Ovi Store ja kommen.

Auch RIM wird im Businessbereich weiterhin erfolgreich sein. Im Consumer-Markt läuft es nicht so gut, hier wird es schwer werden. Da aber die Grenzen durch sich änderndes Nutzerverhalten verwischen, sollte man auch im B2C-Segment RIM nicht ganz unberücksichtigt lassen.

Windows Mobile – tja – das kann ich nicht beurteilen. Jemand von Euch?

Sorgenkind Palm muss mit dem Palm Pre Erfolg haben, sonst wird es nichts mehr werden. Inwieweit dann das offene Palms OS dem Markt noch einmal einen Schub geben wird, bleibt abzuwarten.

Es sind noch so viele Punkte unberücksichtigt geblieben. Hier nur ein paar davon:

  • Wenn wir auf unsere entwickelten Märkte und Smartphones schauen, wie steht es dann um Java?
  • Was machen die Netzbetreiber? Sind betavine (Vodafone) und Litmus (O2) überhaupt ernst zu nehmende Alternativen?
  • Wie gut wird der Ovi AppStore, dessen Konzept zurzeit viel Lob erfährt, wirklich sein?
  • Welche Kriterien werden die Entscheidung für oder gegen ein OS dominieren oder werden alle gleich wichtig sein? Entwicklungsumgebung, Distribution und Abrechnung, Provisonen, weitere Geschäftsmodelle?
  • Wird innerhalb der AppStores Werbung zum Beispiel für bessere Platzierungen in den Suchergebnissen möglich sein? Was würde das wiederum für die Sichtbarkeit kleinerer Unternehmen bedeuten?
  • Können die Entwickler auch während der Nutzung ihrer Applikationen noch Geld verdienen, zum Beispiel durch Verkauf von Content, der benötigt wird?

Offensichtlich gibt es mal wieder keine einfache Antwort. Oder hat jemand von Euch die Lösung?