“Love the Mobile Web” – gilt die Begrüßung auf winksite.com den Technik-Verliebten? Sicher auch das, doch die Vision reicht weiter: “One World. No Borders. 3 Billion Connected People. Claim Your Piece”. Das macht ja neugierig. Doch in der Tat ermöglicht das Online-Tool der Wireless Ink Corp. nicht nur den Aufbau einer Mobilen Homepage, sondern der Benutzer wird gleich in eine Community integriert. Mehr noch: er kann um sein Webangebot herum gleich eine eigene Community aufbauen.

Anders als bei klassischen Web-Editoren (Hauptseite mit Inhaltsseiten, Navigation, evtl. Sound/Video …), wo es um Präsentation von Inhalten geht, steht hier der Austausch und das “Sharing”, ganz im Sinne des Web 2.0, im Vordergrund. So können Seiten von RSS-Feeds – z.B. von einem Weblog oder von Twitter – gespeist werden oder die mobile Website kann mit Chats oder Foren angereichert werden.

Für die vielen Datenarten und Funktionen ist das Konzept der “Channels” nützlich: ein Channel kann z.B. mehrere Textseiten enthalten, zu einer weiteren Adresse verlinken, einen RSS-Feed verarbeiten oder auch eine Telefon-Nummer wählen. Die Titel der Channels werden auf der Startseite angezeigt, z.B. können die ersten Channel-Links jeweils einem Thema zugeordnet sein und Textseiten enthalten, ein weiterer bringt die aktuellen Blog-Posts, der nächste die jüngsten Tweeds von Twitter – wobei jeweils ein Intro-Text hinzugefügt werden kann.

Textseiten-Channels: jede Seite kann Links zu max. 10 anderen mobilen Adressen enthalten. Diese müssen nicht extern sein, sondern es können auch Seiten der Website sein (deren URLs in einer Übersicht verfügbar sind). Außerdem können in jeder Seite 10 Telefonnummern mit “Click to call”-Funktion angelegt werden. Die Verlinkungs- und Navigationsmöglichkeiten sind damit äußerst flexibel.

Zusätzlich zu diesen Channels für den eigenen Content gibt es eine Reihe von “Community & Collaboration Channels” wie “Journal”, “Events”, “Survey”, “Zine” – zukunftsweisend, aber zurzeit wohl noch wenig verwendet. Für die Praxis wichtig jedoch sind Site-weite Channels wie “Site-Info”, “My Profile” und, vor allem, “Links”: so können nicht nur einzelne Seiten nach außen verlinken, sondern die Website selbst. “Share” ist noch ein solcher Kanal auf der Hauptseite, der es erlaubt, die Adresse der Website per Email oder Twitter mitzuteilen.

Was der konventioneller denkende Seiten-Erbauer vermissen wird, sind die üblichen Webdesign-Elemente wie Schriften, Header und, vor allem, auch Bilder, in der Seitenbearbeitung. Layout-Optionen gibt es Site-weit, aber der Bild-Upload für eine einzelne Seite fehlt tatsächlich, vielleicht kommt er ja noch. Ein Logo kann aber hochgeladen werden, ebenso ein eigener Hintergrund, damit ist die Optik auf dem Handy an das gewohnte Erscheinungsbild anpassbar.

Einige Beobachtungen und Probleme beim Test (kleine Testseite: “Urlaub in Deutschland“)

  • Problem für deutsche Inhalte: die Umlaute werden nicht richtig wiedergegeben, sehr lästig und der Suchmaschinen-Wirksamkeit abträglich.
  • Es gibt offenbar keine Anleitung und kein FAQ (es gibt ein Support-Forum, das gleich die Messages-Funktion von Winksite nutzt)
  • Der QR-Code hatte beim Test nicht die richtige mobile URL kodiert
  • Die Tel.-Nr.-Links: die richtige Eingabe muss ausprobiert werden (Ergebnis für Deutschland: mit 49 anfangen, kein Leerzeichen)
  • Der SMS-Versand (obwohl auch Outside US) angeboten, funktionierte im Test nicht
  • Die Email für “Sharing”: nur sehr spärlich und ohne Betreff und Begleittext – schade: hier soll doch geworben werden!

Nach Angabe von Winksite gibt es mehr als 50.000 Nutzer in 143 Ländern bei steigendem Trend: mehr als 3.000 Neueinträge im Dezember 2008. Die Aufschlüsselung nach Alter ergibt, nicht überraschend, eine stärkere mobile Internet-Nutzung in jungen Jahren. Auffällig ist die Verteilung nach Geschlecht: ein Frauenanteil von nur 25% nutzt Winksite mobil – während bei PC-Nutzern die Frauen mit 56% sogar überwiegen (Interpretatonsversuch: Männer lieben mehr die technische Komponente und daddeln gern am Handy, Frauen interessieren sich für “das Soziale” und nutzen die Community effektiver, also am PC). In Deutschland finden sich allerdings (quotal) wenig Nutzer (was sicher auch mit der Umlaute-Problematik zu tun hat).

Fazit: ein vielfältiges und attraktives Tool, jedoch ist eine gewisse Einarbeitung erforderlich, um die vielen Möglichkeiten kreativ zu nutzen. Für die einfache, kleine “Web Visitenkarte” eher zu aufwendig. Das könnte sich freilich ändern, wenn mal die Community größer und auch in Deutschland renommiert ist. Besonders interessant, wenn Inhalte von RSS-Quellen, Blogs, Twitter etc. mit eigenem Content kombiniert werden: ein praktischer “mobiler Aggregator”. Wegen der Suchmaschinen-Optimierung und der zahlreichen (Back-)Linkmöglichkeiten ein möglicher Beitrag zur Suchmaschinen-Strategie eines Webangebotes. Und: wegen der Web 2.0 – Funktionen sogar ein Beitrag zur “Social Media Optimization” (SMO).

Die Nutzung ist kostenlos und Platz ist da: ein Account erlaubt bis 5 Websites und jeweils bis 20 Content-Channels. Beispiele für Gestaltung gibt es in der Community, wo man mit Wireless Ink CEO David Harper auch gleich einen “Freund” hat.

Drei Sites “featured”:
Dolores: “Dolores O’Riordan is probably best known as the incredible and unique voice that led Irish alternative rock band “The Cranberries” to international success in the early nineties… ”

Tokyo Walks: Unterwegs in Tokio. Die mobile Website – sehr gelungen – als Stadtführer: die mobile Webanwendung schlechthin!

Und schließlich Thema Smart Mob: soziale Revolution durch intelligente Nutzung mobiler Median und Communities – die mobile Website Smart Mobs passt genau zur Winksite-Idee.

Dieser Beitrag startet eine Serie zum Thema “Content für das Mobile Web aufbereiten”. Bei Winksite werden eigens erstellte sowie aggregierte Inhalte nicht nur DotMobi-formatiert, sondern mit Blick auf moderne Web 2.0 – Umgebungen präsentiert. Die genau gegensätzliche Philosphie: bestehende nicht-Mobi-Websites automatisch für den Handy-Gebrauch umzuformatieren. Davon handelt der nächste Beitrag, wobei der Google-Mobilizer im Vordergrund steht.

Über den Autor:
Dr. Eckard Ritter betreibt eine Agentur für Tourismuswerbung – u.a.  “Urlaub in Deutschland” (PC-Web, mobiles Web, RTL-Teletext, Print) – und entwickelt Tools für das Mobile Web. Ziel ist die effektive Kommunikation und Werbung mit modernen Medien – im Kundenauftrag und aus Begeisterung dafür – und damit Integration vielfältiger Kanäle wie PC+Handy, barrierefreie Formate, Video, Audio, Blogs und Microblogging (Twitter) sowie Teletext.