Aleks hat Ihre Eindrücke vom Mobile World Congress bereits niedergeschrieben, nun möchte auch ich ein wenig aus Barcelona erzählen, auch von mir nichts zu tollen neuen Devices, Messeneuheiten und Pressemeldungen, sondern meine persönlichen Erlebnisse. Ich schreibe etwas spät, aber ich mussste in den vergangenen Tagen erst einmal den in Barcelona offensichtlich weit verbreiteten Barca-Virus los werden. Dies ist nun nach vier Tagen weitestgehend geschehen, also los:
Noch bevor ich überhaupt in der Nähe von Barcelona war, erfuhr ich via Twitter, das Torsten Schollmayer von Sapient (twitter.com/scholly_de), ein bis dahin mir abgesehen von Twitter unbekannter Mensch, ebenfalls in Palma de Mallorca “unseren” Flieger besteigen würde. Trotz Ermangelung einer Nelke im Knopfloch zur gegenseitigen Identifikation konnten wir uns auf dem Flughafen erkennen und bei einem Getränk (der Flug hatte Verspätung) schon sehr interessant plaudern. [Anmerkung für Aleks: Noch ein Grund, Twitter zu nutzen!
] Torstens MWC-Erlebnisse gibt es hier. Durch die Verspätung habe ich dann leider die MobileMonday Peer Awards, die am Montag stattfanden, verpasst. Sehr ärgerlich. Die Gewinner gibt es hier. Es hat mich besonders gefreut, dass aus Deutschland Orbster (GPS based Games) zu den Preisträgern gehört. Patrick wird in den nächsten Tagen hier bei uns noch einen Beitrag über Orbster schreiben. Rudy hat ein paar Links gepostet, unbedingt den Pitch von Unkasoft ansehen. Man versteht zwar nicht, was Unkasoft macht, aber der Publikumspreis ging zu Recht an sie.
Am Dienstag dann nach einem ersten, wunderbaren und langen Abend in mediterraner Manier (nicht zu früh) auf die Messe. Auch mir fiel auf, dass wirklich ALLE in schwarzen Anzügen dort waren und die Assoziation zu einer großen Beerdigung hatte ich ebenfalls. Mein zweiter Eindruck war: Hoppla, leer! Denn nicht nur, dass man sich ohne viele Schlangenlinien zu laufen, zielgerade bewegen konnte, auch die schon im Aussenbereich häufigen freien Flächen sprachen Bände. In den gesamten Tagen war das Fehlen von US-amerikanischen Ausstellern und Besuchern auffällig. Dort bremst die Wirtschaftskrise offenbar mehr als bei uns. Denn insgesamt habe ich von trüber Stimmung nichts bemerken können. Allerdings auch keine Euphorie, sondern eher eine ruhige Zuversicht. Gefehlt hat auch rucksacktragendes Jungvolk, das man ja auch sehr gut von der CeBIT kennt. Auch dies ein Hinweis auf die Entwicklung hin zu einer professionellen Businessmesse. Doch liebe Damen und Herren – es darf wirklich auch mal etwas anderes als Schwarz sein.
Beim ersten Rundgang durch die erste Halle kam ich aus dem Begrüßen kaum heraus. Wie ein großes Klassentreffen. Kurz noch in die Press Area, um zu sehen, ob noch eine Pressekonferenz wichtig sein könnte. Da dies nicht der Fall war, wieder rüber in Halle 5, um am Nachmittag der Session “The Business of Mobile 2.0″ zu lauschen, denn Geschäftsmodelle für innovative Services ist wohl das, was uns alle besonders interessiert. Oh, wie enttäuschend. Alle Redner mit wenig Verve und inhaltlich weitestgehend mit Allgemeinplätzen. Schade, die Manager der großen Unternehmen sind offensichtlich ratlos. Als Beispiel hier der Anfang des Vortrag von Robert Hamilton, ‘Produktchef’ (seht auf die Slides!) von Google. Nach dreieinhalb Minuten drohte mir die Kamera beim Einnicken aus der Hand zu fallen, also habe ich abgebrochen.
Gut, also dann das anschließende Panel. Dort waren immerhin auch Vertreter kleinerer Firmen wie zum Beispiel Goojet dabei. Ich habe das Drama von über 22 Minuten mitgefilmt. Jemand beschreibt eines seiner Features und alle anderen beeilen sich zu versichern, dass sie das selbstverständlich auch können – Doppel-Gähn! Sonst ausser allgemeinem Geplapper nichts gewesen. Aber schaut selbst, die ganz Tapferen halten die 22 Minuten durch (hier der erste Teil von acht Minuten. Die beiden anderen Teile bei YouTube.):
Das Problem, das beim Kongressteil bestand war, dass so viele vom Titel und den Rednern her interessante Vorträge parallel liefen, dass man sich kaum entscheiden konnte. Und immer, wenn man dann in “seinem” Vortrag saß, fragte man sich immer “ist vielleicht doch der andere besser?”. Das ist wie mit den Schlangen an den Kassen im Supermarkt. Da denkt man auch immer, dass es an der anderen schneller geht als an der eigenen. Insgesamt waren aber viele, die ich gesprochen habe, sehr unzufrieden mit der Qualität der Vorträge. Aleks hat in ihrem Artikel ja schon Bena Roberts von GoMoNews zitiert, die es sehr schön ausgedrückt hat.
Am Abend fand dann das Mobile Media Tweetup in der Broadbar statt. Gesponsort von Smaato, Simyo und mocom2020, hatten wir einen schönen Abend mit spannenden Gesprächen und ich freue mich, wieder so viele neue Mobilisten kennen gelernt zu haben. Danke an alle Sponsoren, für die Einladung.
Der Mittwoch war geprägt von vielen Einzelgesprächen. Es würde zu weit führen, diese alle hier aufzuführen. Am Nachmittag dann im Hinblick auf unser nächstes mobile zeitgeist SPECIAL in die Session “Mobile Money”. Nach dem zweiten Vortrag bin ich wieder raus, Firmenpräsentationen brauche ich wirklich nicht. Der Messetag ging dann sehr entspannt mit tollen Gesprächen im T-Mobile Pavillon zu Ende. Am Abend hatte dann Bena Roberts von GoMoNews ins Bel Chica geladen. Sehr kleiner Laden, sehr voll, extrem warm, doch das tat dem Treffen alter Bekannter und Kennenlernen neuer keinen Abbruch. Thanks Bena! Dann noch weiter zu Sweedisch Beers, organisiert von Helen Keegan. Hier wurde es jetzt wirklich britisch und sehr lustig. Ebenfalls ein dickes Dankeschön an Helen!
Der letzte Messetag war dann gar keiner mehr, denn wir sind gleich an der La Rambla, im Hotel 1898 (übrigens sehr chic das Hotel), zum TechCrunch Talk Mobile 2.0 von und mit Mike Butcher gegangen. Hier gab es dann wirklich einmal interessante Panels und fünf Start-up Pitches, u.a. von Björn Behrendt von hiogi und Christian Geissendörfer von Yoose. Über das TechCrunch Event schreibe ich einen gesonderten Beitrag.
Dieser Mobile World Congress stand für mich ganz im Zeichen des Networkings und das kann man dort wirklich. Alle sind nett und vor allem entspannt in dieser schönen Stadt. Dazu trug auch das wunderbare Frühlingswetter mit durchgehend Sonnenschein bei. Einzig ein paar Wolken verursachten die Taschendiebe, die nicht einmal vor Umschubsen und Trolley entreissen zurück schreckten. Sogar auf dem Messegelände sollen sie trotz der Eingangskontrollen unterwegs gewesen sein und nicht wenige haben von entsprechenden Verlusten berichtet.
Die Stimmung der Branche? Wie bereits erwähnt, verhalten aber zuversichtlich, nur mit ein paar Schrammen davon zu kommen.
Was fehlte? Als Pressevertreter ist man dort rundum gut versorgt, was das leibliche Wohl angeht. Etwas mehr geistiges Futter hätte ich mir in den Vorträgen und Panels gewünscht. Die US-Amerikaner haben gefehlt, denn von dort kommen derzeit viele Innovationen. Völlig gefehlt haben die Netbooks. Offensichtlich ist dieser mittlerweile massive Trend nicht bei den Ausstellern angekommen. Gestern war zwar zu lesen, dass Nokia auch Notebooks bauen will, aber auf dem MWC habe ich nicht viel zu Netbooks gesehen oder gehört.
Was fiel mir auf? Es gab ein US-amerikanisches Unternehmen mit einem bekannten Produkt, das auch nicht anwesend doch allgegenwärtig war: Apple und sein iPhone. In jedem zweiten Satz und ich glaube auch in jeder zweiten Hand tauchte das iPhone auf. Was für eine Präsenz!
Gehe ich nächstes Jahr wieder hin? Unbedingt und ich empfehle es auch jedem anderen aus unserer Branche.
Welche großen Themen erwarte ich auf dem MWC 2010? Netbooks, UMPCs und (wieder einmal) Konvergenz, denn hier wird es jetzt erst richtig spannend. Die großen Themen von 2009, Touchscreens und Application Stores, werden sich dann abgekühlt haben.
War der MWC also sein Geld wert? Ja und Nein, ich würde auf den Konferenzteil beim Ticketkauf verzichten. Die Qualität ist einfach dem Preis nicht angemessen. Die wirklich interessanten Dinge geschehen in den Gängen, draußen in der Sonne, in den Cafés und natürlich abends auf den Partys.
Ofir Leitner, Gründer des MobileMonday Tel Aviv, den ich die Freude hatte kennen zu lernen, hat eine wunderbare Zusammenfassung seiner Eindrücke geschrieben.
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