Nachdem das grosse mediale Interesse -oder sollte ich wohl besser sagen die Hysterie- rund um die Finanzkrise langsam abflaut, und nun von den Autoherstellern bis zur Immobilienbranche alle nach dem Weltuntergang schreien, dachte ich mir es wäre mal interessant einen Blick auf unsere Branche zu werfen:
Was bedeutet dieses ganze Heck Meck denn nun eigentlich fürs mobile Marketing?
Wollen wir den Teufel an die Wand malen und daran denken, dass wir alle unsere Jobs verlieren werden? Oder müssen wir einfach damit rechnen, dass das prognostizierte Wachstum für die nächsten 2-3 Jahre nun doch wohl eher erst in den nächsten 5-8 stattfnden wird? Worauf muss sich besonders mobile advertising gefasst machen?
Heise zitiert hier einen Bericht der Financial Times wonach, sich die Werbebranche mit nun doch knappem Budget wohl eher konservativ geben wird und zukünftig mehr auf etablierte Medien (Print, TV etc.) setzt. Experimente in unbekannte Welten wie mobile werden vorerst auf Eis gelegt. Folglich soll die mobile Marketing Branche bis mindestens 2010 mal am Bremsfuss stehen.
Doch warum?
Vorgeworfen wird der Branche, dass wir immer noch zu fragmentiert sind und dadurch keine Reichweiten für Werber erzeugen. Und es stimmt: Wenn man eine Masse via mobile erreichen will, braucht man entweder grosse Netzbetreiber die viele User haben auf seiner Seite (aber die hüten ihre Userdaten natürlich wie einen heiligen Gral) oder aber man hat selber eine anständige User Base aufgebaut mit der man arbeiten kann. Beides ist dann doch einwenig mühsam und mehr die Ausnahme als die Regel.
Vorwurf Nummer zwei: Es fällt uns nicht nur schwer Reichweiten zu erzeugen, sondern auch, sie zu messen. Und ein investierter Werbe-Euro ist nur dann ein guter Werbe-Euro, wenn ich messen kann, was er bringt. Auch das hat seine Berechtigung, denn mobiles Internet hin oder her, die Messbarkeit des mobilen Internets ist nicht einheitlich möglich und noch lange nicht da wo sie sein sollte/könnte.
Ganz gegenteilig tönt es hier aus der Online Ecke, hier wird sogar noch Wachstum während der Krise erwartet. Warum? Weil online zum einen schon den “mainstream” Massenstatus erreicht hat, aber auch vorallem weil es ein durch und durch messbares und auch individuelles Medium ist – messbarer als eine Radio, TV oder Printschaltung je sein kann.
Mobile, gerade WEIL der Euro jetzt zweimal umgedreht wird
Aber ich denke, dass auch genau hier in dieser Krise eine Chance für mobile steckt: mobile ist nicht online, mobile hat auch noch nicht den Reifegrad den das Medium Internet in der Werbewelt hat, ABER mobile ist messbar und zielgenau.
Mobile macht – meiner Meinung nach- genau in Zeiten wo das Geld knapp ist noch viel mehr Sinn. In Zeiten wie diesen mag es eher gefährlich sein mit neuen Technologien teuer herumzuexperimentieren, doch wie wär´s mit etwas alt bewährtem wie zum Beispiel der guten alten SMS? Sie liefert hier punktgenaue Messbarkeit mit wenig bis keinen Streuverlusten. Und SMS Kampagnen kosten heute schon lange keine vielen tausend Euro mehr – die Zeiten sind wohl vorbei.
Mit einer SMS Kampagne kann ein Werber 100% Aufschluss darüber erhalten welche Telefonnummern erreicht wurden, genauso kann man sagen wer von dieser erreichten Masse denn geantwortet und so mit dem Werber interagiert hat. Wenn 10.000 SMS Gutscheincodes verschickt werden, wird der Werber genau sehen wer los gelaufen ist um den Code einzulösen. Und beim nächsten Versand weiss er ebenso genau, dass Fritz lieber Bananenshakes gekauft hat, und Hans doch Schoko bevorzugt. Und so kann der Werber die nächste SMS individuell auf den Benutzer zuschneiden. Oder wie genau kann man messen, wer nun einen TV Spot gesehen und danach los gelaufen ist und das Produkt gekauft hat? Eben.
Der Ball liegt jetzt ganz klar bei uns. Bei denen, die die Branche gestalten. Wir müssen die Werbewelt darauf aufmerksam machen, was mobile für sie tun kann – gerade jetzt, WEIL das Geld knapp ist. Mobile ist ein zielgenauer Werbekanal. Wenn man es richtig macht.
Und wer weiss, vielleicht ist diese Krise auch endlich ein Anlass, dass diese ach so fragmentierte Branche, sich endlich gemeinsam an einen Tisch setzt um Lösungen zu den schon so altbekannten Hürden wie zB. Reichweitenmessung zu finden.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.
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