Ein Drama, das Handy ist weg und mit ihm meistens auch alle enthaltenen Kontakte. Der mobile Supergau, der schon bei vielen Menschen die nachträgliche Reue der Datensicherung hervorgerufen hat, ist allgegenwärtig. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs in der Kommunikation. Die Rettung könnte jetzt in Form des Addressbook 2.0 nahen (In der allgemeinen Diskussion zu diesem Thema findet man auch die Begriffe phonebook 2.0, web 2.0 addressbook, social phonebook etc.).

Neben der beschriebenen Gefahr des Handyverlustes stehen viele Nutzer noch immer vor dem Problem, dass Kontakte über verschiedene Archive verstreut sind. In den Handytelefonbüchern dieser Welt werden Kontakte meistens nur mit den für die Handynutzung relevanten Details archiviert. Und so werden auch bei E-Maildiensten die E-Mailadressen, in Instant Messenger die Nicknames anderer Personen und in Social Networks weitere Kontaktdetails archiviert bzw. abgerufen. Ein ziemliches Chaos, bei dem viele irgendwann den Überblick verlieren und unweigerlich veraltete Details vorfinden. Man könnte meinen, dass Social Networks dies Problem lösen könnten, da dort schließlich jeder Nutzer sein eigenes Profil vervollständigen kann. Jedes Social Network birgt jedoch die Gefahr, dass der Kontakt wieder getrennt wird und somit auch die Kontaktdaten verloren gehen können. Ferner kann ich als Nutzer auch keine weiteren Details, z.B. Geburtstag, hinzufügen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass durch die Entkoppelung von Kontakten und Kommunikation häufig nur die für das entsprechende Kommunikationsmedium relevanten Details gespeichert werden. Wofür sollte jemand eine Festnetznummer im E-Mailclient speichern?

In der mobilen Kommunikation ist diese Trennung historisch gewachsen und durch die ureigenen Interessen der Carrier nachvollziehbar. Warum auch sollten sie auch den goldenen Esel ‚SMS’ zur Schlachtbank führen, indem sie die Preise für mobiles Internet frühzeitig reduzieren und somit Tür und Tore öffnen für E-Mail, IM und Co.

Die anzustrebende Ansatz sollte folgende 3 Probleme lösen:

  • Unvollständigkeit und Gefahr der Veralterung von Kontaktdetails
  • Mangelnde Verknüpfung von Mobil- und Webanwendungen
  • Entkoppelung der Kommunikationskanäle

Das Telefonbuch ist ja per se ein soziales Netzwerk und bedarf somit nur noch einer Verknüpfung der Kontakte untereinander, um die Vollständigkeit und Aktualität zu gewähren. Mit einer solchen Funktion muss ein Nutzer nur noch in seinem Profil Änderungen einpflegen und alle Kontakte finden diese Änderungen automatisch vor. So könnte man sich über die aktuellen Statusänderungen des Nutzers informieren (sehr hilfreich beim Gesprächseinstieg). Ein Profilbild ist nicht zwingend erforderlich, würde jedoch dem Telefonbuch ein ‚emotional touch’ geben.

Auch sollte das Adressbuch nicht nur vom Telefon, sondern auch vom Web aus genutzt werden können, um so dem tatsächlichen Nutzungsverhalten der Nutzer zu entsprechen. Ich möchte schließlich den Komfort des großen Monitors und der Mouse nutzen, sobald ich vor dem PC sitze. Die  Schwerpunkte sollten auch entsprechend der Schnittstelle gesetzt werden. Auf dem Handy wären das Gespräche, kurze Nachrichten senden und eingehende Informationen abrufen.  Am Rechner hingegen treten eher Messaging und die Nutzung zusätzlicher Informationen in den Vordergrund.

Dies führt mich zum dritten Punkt: die Verknüpfung der Kommunikationskanäle, so dass Nutzer an nur einer Stelle ihre gesamte Kommunikation bündeln können. Dies hat besonders den Charme, dass man für alle Nachrichten nur noch eine Inbox hat und auf eine Nachrichtenform mit einer anderen antworten kann (z.B. auf eine E-Mail mit einer IM). Eine solche Integration eröffnet noch viele weitere Optionen, wie z.B. eine Sortierung der Kontakte nach Relevanz und Kommunikationskanal. In meinem nächsten Beitrag hier auf mobile zeitgeist möchte ich verschiedene Ansätze vorstellen, die allesamt den Bereich des addressbook 2.0 berühren bzw. zuzuordnen sind. Dabei wird analysiert inwiefern sie diesen Anforderungen entsprechen.

Wer Interesse an dieser Thematik hat, den lade ich zu cellity Blog ein, in dem ich regelmäßig zum Thema addressbook 2.0 veröffentliche. Dort behandele ich die Thematik tiefer und stelle den von mir mitentwickelten Lösungsvorschlag vor.

Über den Autor:
Joerg liebt das Internet und mobile Anwendungen. Daher ist er bei der cellity AG für die Entwicklung eines addressbook 2.0 in Form des neuen cellity Communicator verantwortlich. Sein Fokus liegt dabei auf der Nachfrageseite, also Trends identifizieren und diese dann mit der IT in nutzerorientierte Projektkonzepte zu übersetzen. Bereits vor cellity hat er die Entwicklung eines Massive Multiplayer Online Game vom Konzept bis zur Realisation betreut. Das Interesse an Marketing, neue Medien und internationale Aspekte hat er bereits in seinem European Business Studium ausgelebt. Privat stehen Reiseprojekte, gegen den Fußball treten und sein 74er Ford Taunus im Vordergrund.

Weitere Artikel von Gast-Autor

Artikel in der Serie "Addressbook 2.0"

  1. Addressbook 2.0 – Es lebe das Telefonbuch!

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