Belysio ist eine frisch gestartete mobile Community, von der der Geschäftsführer Andreas Bauer behauptet, eine der coolsten mobilen Applikationen gelauncht zu haben. Gut, er ist der Geschäftsführer, da muss er das ja auch. Nun hat schon mein lieber Bloggerkollege Howie ein wenig über belysio geschrieben, auch bei Martin Weigert auf netzwertig.com findet sich ein Review.
Ich habs bei mir installiert und vielleicht ermöglicht belysio uns ja auf der OMD zu schauen, wer noch so alles dort ist. Letztes Jahr hatte ich aka-aki an und es war verrückt, wie viele bei ihrem Handy die Bluetooth-Funktion eingeschaltet haben. Belysio soll auch in geschlossenen Räumen funktionieren und basiert eben nicht auf Bluetooth, da wäre es einen Versuch wert. Also bitte mit mir vernetzen, wenn Ihr belysio installiert habt.
Ich lasse Andreas von belysio einfach selbst erklären, was belysio genau ist und warum es seiner Meinung nach so cool ist.
1. Beschreibe bitte kurz Eure Lösung. Wie erhält der Nutzer den Client? Woher kommt der Name “Belysio”?
Wir beantworten die Fragen “Bist Du verfügbar?”, “Wo bist Du?”, Was Machst Du gerade?” und “Was hast du gemacht?”. Möglich ist das durch ein Stück kostenloser Software, das jeder mit einem halbwegs modernen Handy, sich per SMS auf sein Handy laden kann. Diese Download SMS kann durch Angabe der Telefonnummer auf unserer regulären (http://www.belysio.com), oder mobilen (http://belysio.mobi) Internetseite abgerufen werden. Man kann natürlich auch eingeladen werden.
Belysio ist entstanden durch unsere vorherige Gesellschaft namens Elysio. Und Elysio ist angelehnt and das griechische Elysium. Das war die Region des Hades, in welche die Götter die verstorbenen Helden geschickt haben um ihnen die Ewigkeit zu versüßen. So fühlen wir uns: Wie im Paradies. Belysio war zunächst nur ein Produkt, ist dann aber dank Investoren zu einer eigenständigen Unternehmung geworden.
2. Was kann der Nutzer damit machen?
Sich mit Freunden verbinden, neue Freunde finden, Fotos teilen und Orte erkunden. Der Nutzer importiert die Community, die wirklich für ihn zählt, sein Handy Adreßbuch und wir verbinden seine Kontakte mit den anderen Teilnehmern von Belysio. Diese Telefonliste erweitert sich durch seine Instant Messaging Buddies, seine Email Kontakte, neu auf Belysio gewonnene Freunde und in naher Zukunft auch die Freundeskreise anderer Sozialer Netzwerke. Aus dem Adreßbuch kann man natürlich seine Freunde anrufen und es können alle Arten von Textnachrichten, wie Email, SMS, ICQ, MSN, Gtalk, etc. empfangen und gesendet werden.
Weiterhin zeigen wir in einer Liste nach Distanz sortiert, oder auf einer Karte, wo sich diese Freunde befinden und ob sie gerade verfügbar sind. Wenn einer der Bekannten, oder jemand dessen Profil ich suche in die Nähe kommt, gibt Belysio ein Ton und Vibrationssignal. Jeder kann natürlich jederzeit frei bestimmen, wer den Standort sehen soll. Oder ob ich meinen Standort lieber gar nicht bekanntgebe.
Um den Freunde mitzuteilen was der Nutzer gerade macht kann er unser Geo Journal nutzen. Hier werden die frisch geschossenen Handyfotos mit Kommentar und Standort auf unsere Internetseite gespeichert. Diese Fotos können privat gehalten, mit der Allgemeinheit oder mit den Freunden mobil und im Internet geteilt werden. Bald werden die Fotos gleichzeitig zu den gängigen Foto Diensten a la Flickr hochgeladen. Jetzt bereits wird der Kommentar als Tweet bei Twitter gepostet. Rückwärts können unsere Nutzer sich die Geo Journale ihrer Freunde anschauen, oder in den Geo Journalen eines Standortes stöbern und suchen.
Um das Thema abzurunden können die Nutzer noch verschiedene standortbezogene Dienste nutzen. So zeigen wir das lokale Wetter hier und am Standort der Freunde an, finden nahegelegene Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, Restaurants und so weiter, informieren durch Wiki über die unmittelbare Umgebung und erlauben Schnellzugriff auf Nachrichten, Xing, LinkeIn, Facebook, etc.
3. Wie viele Nutzer wollt Ihr wann haben? Mit welchen Maßnahmen wollt Ihr das erreichen?
Viele. sehr bald. Natürlich kann man nicht seine Software einfach ins Netz hängen und hoffen das mal jemand vorbei kommt, all seine Freunde einlädt, die wiederum alle ihre Freunde einladen und in zwei Wochen hat man die Welt. Wir haben ein ganzes Bündel an Maßnahmen geschnürt. Dazu gehören Internet Kampagnen, Pressearbeit, Kooperationen, Vorträge, und viele, viele Einzelgespräche. Da wir weder Google noch Microsoft sind und unser Budget bedauerlicherweise Grenzen hat, hoffen wir natürlich, daß unsere Nutzer den Dienst so toll finden, daß sie uns weiterempfehlen.
4. Ihr habt keine bestehende Community im Web, startet also sozusagen “from the scratch”. Warum sollten Nutzer Belysio wählen? Was ist Euer USP gegenüber anderen Lösungen wie Qiro, aka-aki, loopt, GyPSii, itsmy.com und wahrscheinlich noch einem Dutzend anderer?
Nutzen, Nutzen, Nutzen. Standortbezogene Dienste lassen sich in drei Kategorien einteilen: Aka-Aki, Mobiluck und ähnliche sind doch sehr zielgruppenspezifisch jung ausgerichtet und gehen mit Bluetooth auf sehr kurze Distanz. Man muß wirklich schon in Sichtweite sein um verbunden zu werden. Anzeigen wo sich Freunde befinden läßt sich so nicht. GyPSii, Bliin, Nulaz, etc. haben nur GPS und damit zwar sehr genaue Standortangaben, sind in Handys jedoch entweder gar nicht, oder nur sehr energieraubend nutzbar. Und wenn, dann ist in oder bei hohen Gebäuden, sowie bei schlechtem Wetter kaum Empfang. Loopt und Qiro sind auf Netzbetreiber angewiesen und kaum über nationale Grenzen hinweg verfügbar. Funktional kommt Loopt unserem Dienst zwar nahe, ist aber sehr stark auf Amerika fokussiert und es fehlt das Messaging sowie die Kontaktintegration.
Belysio kann zwar auch GPS, funktioniert auch ohne. Wir nutzen unabhängig von Netzbetreibern verschiedenen Technologien. Je nachdem was auf dem Handy vorhanden ist. Dadurch können wir weltweit verhältnismäßig genau angeben, wo sich jemand befindet. Allen Mitbewerbern gemeinsam ist, daß sie auf Teilgebiete spezialisiert sind und ihnen die hohe Integration zwischen Kontaktverwaltung, Messaging, Standort und Geo Journal fehlt. Außerdem meinen wir, daß unsere Lösung einfacher zu bedienen und hübscher ist.
Und stimmt. Wir starten gerade erst, während andere schon länger am Markt sind. Zwar ist unser offizieller Launch gerade erst gewesen, wir haben aber im ersten Test-Monat extrem viele Kunden gewonnen. Das läßt einige etablierte Unternehmen nicht mehr weit weg erscheinen. Die Nutzerzahlen sind in keinem dieser Dienste astronomisch hoch. Und wir sind nicht weit weg.
5. Communities wie zum Beispiel Facebook, MySpace oder StudiVZ haben bereits Millionen Nutzer und bieten diesen auch jetzt schon oder sehr bald mobile Zugangsmöglichkeiten. Warum sollten diese Betreiber mit Euch zusammen arbeiten?
Weil wir eine Lösung bereits haben und uns nicht so sehr als Community, sondern als “Enabler” verstehen. Wir bieten unseren Dienst selbst, als auch im Co-Branding und White-Labeling an. Wie schwierig das Entwickeln einer solchen Lösung ist kann man ganz gut an Yahoo sehen. Anfang Februar wurde OneConnect für spätestens April bis Juni angekündigt. Zu sehen ist immer noch nichts. Nebenbei haben diese Communities erkannt das der ummauerte Garten nicht mehr aufrechtzuerhalten ist und öffnen nach und nach ihre System mit frei zugänglichen Schnittstellen. Und wenn sie mobile Zugangsmöglichkeiten bieten, dann meist nur mobile Internetseiten. Da muß der Nutzer aktiv den Browser öffnen, irgendwas machen und den Browser wieder schliessen. Aktualität und Verfügbarkeit sieht anders aus.
6. Wie ist das Business Modell? Wird bei Euch Werbung geschaltet? Wenn ja wo und in welchem Umfang? Beeinträchtigt das die Nutzung von Belysio?
Wir sind zwar nette Menschen, müssen aber auch unsere Miete bezahlen. Daher werden wir Premium Dienste anbieten und natürlich auch Werbung schalten. Wir haben dafür einen guten Platz gefunden, der unseren Nutzern sicher nicht auf den Keks gehen wird. Wir hoffen. daß die Werbeindustrie demnächst bessere Möglichkeiten zur Zielgruppenansprache bietet. Dann hätten wir Werbung die für den Nutzer relevant ist und gar nicht mehr als Werbung empfunden wird.
7. Wie schätzt Du die Entwicklung von Mobile Social Communities in Deutschland ein? Ist das nur ein Hype oder werden wir eine dauerhafte Nutzung solcher Services in Zukunft sehen?
Jetzt fragst Du aber den Papst, ob er katholisch ist. Ich habe gelesen, daß es auf der Welt eine Milliarde Internetanschlüsse und 3 Milliarden Handys gibt. Und das iPhone zeigt, daß Handys immer besser werden. Egal wie das Verhältnis wirklich ist, die Richtung bleibt bestehen.
Zur technologischen Komponente kommt die gesellschaftliche. Es ist recht schwierig vor dem Bildschirm am PC sozial zu sein, wenn sich das Leben draußen abspielt. Den Social Networks fehlt etwas. Nachdem ich Freunde nach zwanzig Jahren bei Xing oder Facebook traf, tauschen wir ein paar Nachrichten aus. Und? Nichts. Irgendwann werden es die Leute leid sein sich dort aufzuhalten.
Da treten wir auf den Plan. Damit die Menschen sich wieder sehen, fühlen, riechen und schmecken können. Demzufolge bin ich der festen Überzeugung, daß Mobile Social Communities eine zwingende Weiterentwicklung der Sozialen Netzwerke sind. Denn wir bringen die Menschen am Ort des Geschehens wieder spontan zusammen. Das ist überraschend praktisch für alle, die viel unterwegs sind.
8. Welche Funktionen bei Mobile Social Communities hältst Du für elementar? Auf was kann man verzichten? Was wird sich erst in den kommenden Jahren durchsetzen?
Wie Eingangs erwähnt müssen die zentralen Fragen des modernen globalen Nomaden beantwortet werden. Deshalb denke ich, daß nur eine möglichst runde Lösung den Nutzer befriedigt. Am PC kann ich mir eine Haufen Software für unterschiedliche Funktionen installieren und alle permanent und gleichzeitig Nutzen. Auf dem Telefon ist das bis zur Unmöglichkeit umständlich. Welche Funktionen sich am besten durchsetzen werden, wird sich wohl erst nach einiger Zeit abzeichnen.
9. Ein paar Worte zu Deiner Person. Wie war Dein beruflicher Werdegang?
Das ist ja eine lustige Frage. Habe ich schon lange nicht mehr erzählt. Ich habe mit Psychologie, Jura, Geschichte und Politik angefangen, alles aufgrund eines 1994 in der Zeit erschienen Artikels über das Internet abgebrochen und mit Sal. Oppenheim und Accenture das systembureau gegründet. Nach der Blase verloren unsere Investoren die Lust (vielleicht auch die Geduld) und wir wurden von der DePfa Gruppe übernommen. Dort war ich in einer Tochtergesellschaft ein paar Jahre Vorstand bis meine Mitarbeiter und ich den Bereich zurückgekauft haben um über den Umweg Elysio die Belysio zu gründen. Wenn ich von Mitarbeitern spreche, meine ich die selben, mit denen ich vor über zehn Jahren angefangen habe.
10. Was gibt es noch, dass Du den LeserInnen von Mobile Zeitgeist sagen möchtest?
Zwei Dinge. Unbedingt. Erstens sind wir nicht die bösen Buben, die den Standort ausspionieren, den Eifersüchtigen helfen, Huxley heraufbeschwören oder Bewegungsprofile erstellen. Wir wollen einen Dienst schaffen, der Freude bereitet, an dem Menschen ernsthaften Spaß haben. Wir sehen uns eher als die Weasley Uhr (Potter). Ein Werkzeug um den Menschen, die ich liebe, zu zeigen wo ich bin und was ich mache. Und um mich diesen Lieben mitzuteilen. Jeder kann, keiner muß mitmachen.
Zweitens will ich jeden, der unseren Dienst ausprobiert ermutigen möglichst rasch seine fünf engsten Vertrauten aus dem Freundes- und Familienkreis einzuladen. Belysio macht einfach am meisten Spaß, wenn ich es in einer Gruppe erfahre.
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