Ganz getreu der TV-Show von Kaya Yanar sucht man schon seit 2004, seit den ersten technischen Machbarkeits-Studien der großen Mobilfunk-Anbieter, nach der Antwort auf: Was ist Mobile TV?
Seit 2004 bleibt diese Diskussion hängen, seit 2004 beschäftigt man sich lieber mit technischen Bedingungen um Qualität, Erreichbarkeit und Standards. Dass dabei noch kein erfolgreicher Service entstanden ist, verwundert nicht - zu weit entfernt sind noch Medien- und Mobilfunk-Industrie voneinander, zu risikoreich erscheinen Investitionen, zu diffus Geschäftsmodelle und Konzepte. Unglaublich viele spezial Mobile-TV-Anbieter tummeln sich am Markt; wöchentlich kommen neue dazu, ohne in der Position zu sein, einen erfolgreichen Massenmarkt zu erreichen. In der Lage dazu, zum heutigen Zeitpunkt, sind alleine die Mobilfunkprovider, ausgestattet mit umfangreichen Verträgen mit Herstellern der Mobilfunkindustrie und noch viel entscheidender: den Endkunden. Die Provider haben die Marktmacht, sehr hohe Kundenbindung und das weitreichende Funknetzwerk. Auch wenn es einige Mischkonzerne oder auch reine Medien-Firmen es gern anders sehen - an den Mobilfunk-Anbietern geht es bei “mobilen” Diensten bis auf weiteres nicht vorbei.
Warum klappt es nicht?
Weil ein Mobilfunk-Provider kein Medien-Unternehmen ist. Schaut man sich die Historie an, so liegt dort überproportional Wissen über technische Möglichkeiten und Bereitstellung vor, wie z.B. Netzwerke. Das Know-How von Inhalten, Unterhaltung und Usabilty sind sehr junge Themen, die noch viel Entwicklung in den Unternehmen benötigt. Mit diesen “Ressourcen” im Hause ist ein sehr kurzfristiges erfolgreiches Mobile TV-Konzept nicht möglich.
Parallel versuchten neue Marktteilnehmer mit Guerilla-Taktiken den Mobile-TV-Markt neu zu definieren. Die Botschaft: Man benötigt gar kein Mobilfunk für Mobile TV. Nur hilft diese “Silo”-Angebote dem Kunden nicht. Dieser wünscht sich nämlich einen Mobile-TV-Service als Teil seines mobilen Lebens, als Service neben Telefonie, SMS und mobilem Internet. Er wünscht sich ein mobiles TV-Erlebnis mit Mehrwert zum klassischen stationären TV-Angebot, denn: er ist mobil.
Was bedeutet mobil?
Der potentielle Mobile TV-Nutzer ist, egal ob jung oder alt, in einer “wechselhaften” Umgebung, in der viele Veränderungen in sehr kurzen Zeit stattfinden. Dieser Zustand beeinflusst die Ausgangshaltung des Nutzers und somit auch den Einstieg zum Mobile-TV Services. Man hat keine Zeit, keine Geduld und man möchte unmittelbar und einfach den Service konsumieren. Simplicity ist der Schlüsselbegriff um erfolgreich einen Dienst anzubieten, der in sehr komplexen Situationen genutzt wird.
Welcher Inhalt ist interessant?
Viel wird in diesem Zusammenhang über News, Sport und weitere Genres diskutiert. Zielführender ist aber die Kategorisierung nach dem “mobilen Interesse”. Dieses lässt sich leicht in zwei Sektionen aufteilen: a) onDemand und b) onEvent.
onDemand beschreibt den mobilen Zustand der Inaktivität. Man ist zwar unterwegs, befindet sich aber innerhalb eines Zeitraumes von Langeweile oder Interesse für zeitunkritische Unterhaltung. Diese Inhalte könnten sowohl News als auch Soaps umfassen, wichtig ist dabei dass der Nutzer zeitungebunden diesen Inhalt abrufen kann. Auch hier greift das Simplicity-Konzept: Unmittelbar und einfach muss der Inhalt abrufbar sein. Die Technik hierzu ist im etablierten Mobile-TV Dienst der Mobilfunk-Anbieter schon vorhanden, er muss nur deutlich verbessert werden, sowohl in der Usability als auch inhaltlich.
onEvent sind Inhalte die zeitkritische und sozial-kuturelle Dimensionen haben. Das klassische Beispiel hierfür sind olympische Spiele oder andere Events die Live stattfinden, somit zeitkritisch sind. Hierfür hat man in Europa sich auch schon für eine Technik DVB-H entschieden, die allerdings hohe Investitionen mit sich bringt und auch die Möglichkeit für neue Marktteilnehmer eröffnete zu partizipieren.
Was tun?
Die technische Basis ist da. Interessante Inhalte auch. Die Endgeräte entwickeln sich schnell weiter und können kurzfristig den Massenmarkt erreichen. Es fehlt leider an den Kooperationen, an übergreifenden Geschäftsmodellen und Finanzierungskonzepten. Diese Hürden sind leider noch nicht genommen und stehen auch nicht kurfristig vor der Auflösung. Diese Themen müssen gründlich und mit hoher Bereitschaft aller Seiten angegangen werden, erst dann kommt man zu einem Modell bei dem alle gewinnen, besonders der Nutzer.
Was ist bis 2010 zu erwarten?
Überblickt man die vergangenen vier Jahre zum Thema Mobile TV, so muss man die Entwicklung des Mobile-TV-Services im Vergleich zu anderen Diensten als sehr enttäuschend bewerten. Dauert es weitere 4 Jahre? Ich denke nicht. In den nächsten Jahren wird die mobile Nutzung des Internets extrem zunehmen und auch Bewegtbild-Dienste wie YouTube als Inklusivleistung mit sich bringen. Video auf dem mobilen Endgerät wird “normal”. Die Applikationen und Infrastrukturen zur Steuerung der Videos werden schneller, einfacher und intuitiver für den Nutzer. Somit wird auch der Bedarf nach onDemand und onEvent immer größer und die alte ökonomische Regel bei fehlender Güterknappheit greift auch hier: Mehr Nachfrage führt zu mehr Angebot! Freuen wir uns auf 2010
Über den Autor:
Torsten Schollmayer, Jahrgang 1977, ist im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen und lebt heute in Meerbusch bei Düsseldorf. Er ist Dipl-Kfm. und M.Sc. mit Schwerpunkt Marketing und seit 2007 bei Sapient SME für Mobile Applications und Mobile Marketing verantwortlich.
Wenn er nicht arbeitet, ist er aktiv auf Fußball- und Tennisplätzen unterwegs. Weitere Interessen sind: Schweden, Tauchen, Web und TV. Mehr über Torsten bei XING.
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Da muss ich zustimmen, die Entwicklung beim Mobile TV ist eine unangenehme Überraschung. Ankündigungen und Realität zur Fussball Europameisterschaft könnten direkt als Debakel beschrieben werden. Doch ist das Umfeld mit mehreren Standards, DMB, DVB-H und auch Unlimited Mobile TV, wohl tatsächlich schwierig. Dazu die unsichere Akzeptanzfrage. Eine echte Alternative bietet das mobile Internet. Mobile Streaming ist eine Lösung, die auf nun schon bewährten Technologien beruht. Coolstreaming ist ein Verzeichnis mit einigen Mobile Streaming Angeboten. Weitere aktuelle Mobile Dienste bei FOLDEN Mobile, speziell Video bei FMarket Mobile.
Übrigens gibt es in der Seite und auch kein mir bekanntes Streaming Angebot deutscher Sender. Wie ärgerlich ist da die GEZ Abgabe, abgesehen von dem schlechten Radio Empfang auf Autobahnen.