Mein Monat mit dem DVB-T-Handy LG HB620T nähert sich dem Ende - Zeit also, ein Fazit zu ziehen und ein paar Thesen aufzustellen, wie das Medium Fernsehen am besten mit dem Mobiltelefon kombiniert werden kann.
Anfangs machte die Verarbeitung einen guten Eindruck, doch im Laufe des Monats setzte sich der Eindruck durch, dass ein bisschen zu viel Spiel hier und ein bisschen zu viel Spiel dort vorherrscht. An die Menüführung habe ich mich als langjähriger Nokia-Nutzer schnell gewöhnt. Schade fand ich, dass keine Micro Games auf dem Telefon vorinstalliert waren und ich keinen QR-Reader installieren konnte. Kurze Recherchen im Web mit dem vorinstallierten Opera Mini funktionieren gut, für Mail-Schreiben oder längere Arbeiten ist das Telefon weniger geeignet, da es keine QWERTZ-Tastatur hat und das Display recht klein ist. In Bezug auf andere Aspekte der Alltagstauglichkeit wie Sprachqualität oder Qualität der Tastatur sind mir keine Besonderheiten aufgefallen - ein Zeichen dafür, dass dort alles in Ordnung ist.
Nun zum besonderen Featuere des Telefons - dem DVB-T-Empfänger, der Fernsehempfang ermöglicht. Das Display ist sehr scharf, aber leider etwas klein. Wieso LG nicht mehr von der großen oberen Klappe für das Display genutzt hat, ist rätselhaft, denn über und unter dem Bildschirm ist schon eine Menge Platz. So hat das Fernsehen auf dem Telefon immer etwas von Mäusekino und ist nicht über längere Zeit möglich. Dem Akku macht langes Fernsehen ebenso zu schaffen wie den eigenen Augen - das sollte man stets bedenken und nur dann lange fernsehen, wenn man das Telefon danach in absehbarer Zeit wieder aufladen kann. Problematisch ist ebenfalls, dass DVB-T nicht überall zur Verfügung steht oder der Empfänger des Telefons in vielen Gegenden nicht in der Lage ist, dauerhaft ein performantes Bild darzustellen. Aus diesen Einschränkungen heraus ergibt sich, dass man häppchenweise konsumiert - ein bisschen Nachrichten gucken auf dem Heimweg oder kurz schauen, wie es beim Fußball steht, ist genau die Art des Konsums, die dem Medium entgegen kommt. Die aktuellen TV-Angebote passen da nicht so recht. Praktisch wäre beispielsweise ein Nachrichtensender, der alle zehn Minuten die gleiche Sendung wiederholt oder Dokumentationen oder Hintergrundberichte auf fünf Minuten zusammenkürzt. Optimalerweise wären diese Programme weniger bild-, sondern eher tonorientiert, weil man nicht immer auf den Bildschirm gucken kann, aber dank der Kopfhörer immer zuhört. Hier sind die Anbieter aufgefordert maßgeschneiderte Inhalte anzubieten, um ihren Teil für den Durchbruch von Handy-TV zu leisten.
LG hat mit dem DVB-T-Handy eine spannende Idee auf den Markt gebracht. Anstatt den Ausgang der Debatten über DVB-H etc. abzuwarten, haben die Koreaner auf einen etablierten Standard gesetzt, der nicht auf das Handy zugeschnitten ist. Diesen Mut finde ich lobenswert, und das Telefon wird sicher seine Nische erobern, da es auch nicht übermäßig teuer ist (bei verschiedenen Händlern ist es für unter 300 Euro zu haben). Für den ganz großen Wurf treten im Alltag zu viele Einschränkungen bei der Fernsehfunktion auf, über die man sich vor dem Kauf im Klaren sein sollte, um nicht enttäuscht zu sein.
Über den Autor:
Marc arbeitet seit 2007 beim Trendforschungslabel TrendONE in Berlin und Hamburg als Trend Analyst im Bereich Mobile, Web und Digital Life. Im Zuge seiner Recherchen beobachtet er gesellschaftliche Entwicklungen, die Entstehung neuer Applikationen und Wandel im Benutzerverhalten. Mehr über Marc bei XING.
Weitere Artikel von Gast-Autor
- Addressbook 2.0 – Es lebe das Telefonbuch! - 17. October 2008
- MVNO News aus Europa - 23. September 2008
- Neue MVNO in Deutschland: RING & MP3 - 22. September 2008
- Interview mit Android Entwickler - 28. August 2008
- Handy-Software für den Ramadan - 22. August 2008






















Noch kein Kommentar zu diesem Artikel
Schreibe einen Kommentar