Wie kann man mit einem Handy die Welt verbessern?
Klar, man kann das Gerät selber spenden. Man kann sogar per SMS seine Spende abgeben. Man kann Verbrechen per SMS der Polizei melden und so Zivilcourage beweisen. Aber kann man mobile Technologien speziell in Entwicklungsländern auch wirklich so einsetzen, dass die Lebensqualität der Menschen dort verbessert wird?
Ja, man kann!
Und es gibt eine Menge Leute die sich offensichtlich darüber Gedanken machen.
Meine Reise führt mich heute nach Afrika, wo viele Menschen uns eigentlich sehr fremde Herausforderungen zu meistern haben und Mobiltechnologie einen wirklichen Unterschied im Leben Einzelner macht:
Bauern in Kenya schützen sich beispielsweise per SMS vor Elefanten die ihre Ernte bedrohen, man kann aber auch wichtige Infos zur Wasserqualität abrufen (kann ich es hier trinken oder nicht?), und Nicht-Wähler mittels bequemer SMS zu Wählern machen. Ganz vorne mit dabei ist hier Kiwanja, die sich zum Ziel gesetzt haben mobile Technologien vor allem NPOs zugänglich zu machen.
Benutzer in Afrika haben einfach ganz andere Anforderungen an mobile Technologie, erzählt Ken Banks, Gründer von Kiwanja, der sich der Arbeit in Entwicklungsländern verschrieben hat:
Zum Beispiel steht Vodacom Kunden in Südafrika die “call me” Funktion zur Verfügung mit der sie bis zu fünf gratis SMS pro Tag versenden können. Der Grund? Der Empfänger wird um Rückruf gebeten und somit erspart man sich das Anrufen und Auflegen wenn man nicht mehr genug Guthaben hat.
Ein Handy mit Strom aufzuladen – so selbstverständlich es für uns sein mag- kann in Afrika eine Herausforderung werden. Und so blüht das Geschäftsmodell des “Aufladeshops” in Nigeria, wo man ähnlich wie bei einer Tankstelle, das Handy tankt.
Wenn man über mobile Geschäftsmodelle in Entwicklungsländern nachdenkt, taucht natürlich die Frage auf, wieviel man den dabei eigentlich verdienen kann. So nobel man vielleicht die Welt verbessern möchte, am Ende will man sich auch selber ernähren können. Und die Frage ist berechtigt, denn immerhin sprechen wir hier von Menschen die selber kaum etwas bestizen.
Doch Produkte wie M-Pesa von Safaricom/Vodafone beweisen, dass soziales Engagement sich auch wirtschaftlich durchaus lohnen kann: Mit M-Pesa kann man in Kenya – ohne ein Bankkonto zu besitzen- per SMS Geld transferieren, bezahlen und in lokalen Shops, wie zum Beispiel einer Trafik, das erhaltene Geld abheben. M-Pesa hat bereits über 2.3 Millionen registrierte User. Doch warum ist M-Pesa so erfolgreich? Ganz einfach: Der Benutzer erspart sich die teure und lange Reise vom Land in die nächste Stadt zur Bank, sondern kann seinen Lohn per SMS empfangen und beim lokalen Greissler beheben.
Ein weiteres junges Start Up das dem MIT in Cambridge entsprungen ist, hat sich der Vermittlung von Arbeit per SMS verschrieben: Assured Labor heisst das junge Unternehmen, das Arbeitssuchende per SMS mit Arbeitgebern zusammenführt. Die Handy Penetration ist gerade in Entwicklungsländern doch noch viel höher als die von Computer und Internet.
Werden wir etwa aus diesen Regionen die nächsten grossen Schlagzeilen rund um mobile Innovation hören?
Als grosser Hemmschuh mobiler Innovation in der westlichen Welt wird oft die sehr heterogene Welt der Mobilfunkbetreiber beklagt: “Wenn es doch nur einheitliche Preise gäbe, wenn es doch nur in Europa keine so teuren Roaminggebühren gäbe, tja dann, ja dann könnten so viele verschiedene Geschäftsmodelle plötzlich boomen.” Und siehe da, offensichtlich hat das der afrikanische Markt bereits begriffen und ist uns einen Schritt voraus:
Africa abolishes roaming as Celtel’s One Network expands 400 million people across 12 countries now connected across Africa in one borderless mobile network coverin an area twice the size of Europe.
Hier kann ich mich dem Zitat von Leo Rosten auf der Kiwanja Homepage nur anschliessen:
The purpose of life is not to be happy – but to matter, to be productive, to be useful, to have it make some difference that you lived at all
Danke an Sascha für den Anstoss zum Thema
Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.
Artikel in der Serie "Der mobile Nomade"
- Wohin geht die Reise, mobiler Nomade?
- Von Wildschweinen & Smartphones…
- Ich bin der Sklave meines Smartphones…
- Und es gibt sie doch, die Eigenverantwortung!
- SMS als Pfefferspray des 21.ten Jahrhunderts
- Ist der Österreicher Sklave seines Smartphones?
- Afrika als nächster Schauplatz für Innovation?
- Freche Franzosen und scheue Briten – der Mobile Life Report 2007
- Mobile Manners – was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr
- Digital Natives – wir sind die Generation ‘unzuverlässig’
- My home is my castle and my Kühlschrank is my iPhone?
- 11.Gebot: Du sollst nicht telefonieren!
- Sag mir qando, sag mir wann…
- Wer hat an der Uhr gedreht?
- Ungemütliche Realität: SMSn beim Fahren gefährlicher als Alk am Steuer
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