
Ein Drittel aller Franzosen würde sogar während eines romantischen Dinners dem Handygespräch bei Tisch den Vorzug geben und gibt zu, sogar schon mal die SMS Inbox des Partners durchforstet zu haben. In Europa ist es einer aus zehn, der das Telefon als seinen wichtigsten Besitz erachtet, aber auch 63 % aller US Amerikaner gestehen, dass sie mit dem Handy sogar aufs Klo gehen. 50 % aller US Jugendlichen zwischen 18 und 24 würden eher auf ihre Fernsehrechte verzichten als auf ihr Mobiltelefon und satte 83 % aller Amerikaner sagen “Mein Handy geht überall dorthin, wo auch ich bin”. Es ist kaum zu leugnen, dass das Handy nicht nur Mittel zum Zweck ist, sondern unser Leben als auch unsere sozialen Beziehungen massgeblich verändert.
Globalisierung und Billigfluglinien haben uns in den letzen beiden Jahrzehnten zum Nomaden im eigentlichen Sinne gemacht, doch lange schon zeichnet sich der Nomade von heute nicht mehr ausschliesslich durch leichtfüssige Reisefreudigkeit aus:
Die jüngste und in Wahrheit schon wieder alte Entwicklung des modernen Nomadentums ist die ständige Erreichbarkeit, mit der alles sofort, zu jeder Zeit und von jedem Ort aus erledigt werden kann. Der Nomade von heute kann jede Information empfangen und weitergeben, egal wo er ist, egal zu welcher Tages und Nachtzeit – Distanz und Zeit spielen schon lange keine Rolle mehr.
Die Welt scheint auf einen Schlag kleiner geworden zu sein und Schuld ist allein des Nomaden magischer Wanderrucksack, den er heute im Taschenformat mit den Labels von Sony Ericsson oder Nokia immer bei sich trägt.
Der klassische Nomade vollzieht den Wandel vom Oasenwanderer zum “mobilen” Nomaden.
Doch wo Licht, da auch Schatten: Ständige Vernetztheit und Erreichbarkeit vereinfachen nicht nur das Leben des mobilen Nomaden, sondern bewirken, dass es um ein paar Takte schneller gelebt wird – So schnell, dass er oft selbst gar nicht merkt, wie nicht nur er, sondern sich auch die Welt rund um ihn herum verändert.
Gibt ihm diese neue Flexibilität in der Arbeitswelt mehr Freiraum seine Zeit sinnvoll einzuteilen? Oder macht es ihn zum Sklaven seines Smartphones, weil es ihm schwer fällt mit dieser neuen Freiheit umzugehen? Leiden Beziehungen unter dieser ständigen Erreichbarkeit oder können noch mehr Freundschaften in der gleichen Zeit gepflegt werden? Geht die gute, alte Kinderstube im zwischenmenschlichen Umgang durch mobile Technologie immer mehr und mehr verloren oder ist es Zeit zu akzeptieren, dass es neue Benimmregeln braucht? Verlernen wir durch kurze und knappe SMS oder Email Texte in ganzen Sätzen zu schreiben und verlieren unsere verbale Ausdrucksfähigkeit? Stimmt es, dass unsere Kinder durch mobile Technologien erst später unabhänging und erwachsen werden?
All diese Veränderungen stellen den mobilen Nomaden vor neue Fragen und Probleme.
Grund genug für mobile Zeitgeist den Nomaden auf seiner Reise zu begleiten, ihn regelmässig tief durchatmen und ihn einen genaueren Blick auf sich selbst und die Gesellschaft mobiler Nomaden werfen zu lassen.
Der “Mobile Nomade” ist eine neue Mobile Zeitgeist Serie, in der er ab heute selbst aktuelle Geschehnisse in seinem gesellschaftlichen und sozialen Umfeld beobachtet und reflektiert.
Er erzählt uns selbst, wohin seine Reise denn nun wirklich geht….
Über die Autorin: Aleksandra Schmid ist Mobile Marketer und hat in den letzten Jahren zahlreichen Marken geholfen ihre ersten und auch zweiten mobilen Marketingschritte zu tun. Ihre Einblicke und Erfahrungen teilt sie gerne bei Vorträgen oder schreibt sie nieder, zu lesen unter anderem im Guide der Werbeplanung, im Marketing Magazin Update und hier auf mobile zeitgeist. Aus Amerika hat Aleksandra aber nicht nur spannende Geschichten, sondern auch den Gedanken des Netzwerkens und Wissensaustausches mit nach Hause gebracht und gemeinsam mit fünf Gleichgesinnten den “MobileMonday Austria” ins Leben gerufen. Aleksandra gestaltet die Branche in Österreich aktiv mit und engagiert sich daher im Vorstand der “Mobile Marketing Association Austria” (MMAA). Seit Oktober 2009 ist Aleksandra bei IQ mobile für die Entwicklung osteuropäischer Märkte verantwortlich.
Artikel in der Serie "Der mobile Nomade"
- Wohin geht die Reise, mobiler Nomade?
- Von Wildschweinen & Smartphones…
- Ich bin der Sklave meines Smartphones…
- Und es gibt sie doch, die Eigenverantwortung!
- SMS als Pfefferspray des 21.ten Jahrhunderts
- Ist der Österreicher Sklave seines Smartphones?
- Afrika als nächster Schauplatz für Innovation?
- Freche Franzosen und scheue Briten – der Mobile Life Report 2007
- Mobile Manners – was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr
- Digital Natives – wir sind die Generation ‘unzuverlässig’
- My home is my castle and my Kühlschrank is my iPhone?
- 11.Gebot: Du sollst nicht telefonieren!
- Sag mir qando, sag mir wann…
- Wer hat an der Uhr gedreht?
- Ungemütliche Realität: SMSn beim Fahren gefährlicher als Alk am Steuer
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