Auf der CeBIT hatte ich mir bei Vodafone die Objekterkennung “Otello” angesehen, die ja insbesondere nach dem Besuch durch unser aller Kanzlerin, Angela Merkel, massiv in die Presse kam. Ich werde also zu dieser Glanzleistung dieser Produktpräsentation nichts mehr schreiben.
Zu anderen Glanzlichtern geballter Kompetenz auf dem Vodafone Messestand kann ich schon etwas sagen. Meine erste Tat mit meinem Nokia N95 (T-Mobile Netz) bestand darin, eines der ausgestellten CD-Cover zu fotografieren, begleitet von dem Hinweis der netten Dame “Sie müssen schon drauf achten, dass das Bild scharf ist.”
Ich fand’s scharf und schickte es an die 4242, wie mir geheissen. Ich bekam auch prompt einen Link zurück, der auf den Vodafone-Live-Shop verwies wo ich nun diesen Titel käuflich erwerben können sollte. Diesen Link wiederum konnte ich nicht öffnen. Mein ratloser Blick in Richtung der freundlichen Dame führte zu “Das liegt bestimmt an dem Netz hier.” Auf meine Frage, ob es eventuell auch daran liegen könne, dass ich T-Mobile Kundin wäre und so keinen Zutritt bei Vodafone Live hätte, wurde energisch verneint “Das funktioniert bei allen.” Nein, bei mir nicht. Weder dort auf der CeBIT noch heute.
Aber flugs zum nächsten tollen Feature. Es lagen ein paar Fotoausdrucke von Gebäuden herum. Ja, man könne einfach eine Sehenswürdigkeit fotografieren und würde dann Informationen zu dem Gebäude erhalten. Etwas Text und den Link zum Wikipedia-Eintrag. Meine Frage, ob denn jetzt Heerscharen von Leuten weltweit mit Kameras durch die Straßen laufen würden, um die Gebäude aus allen möglichen Blickwinkeln aufzunehmen, wurde bejaht. “Wir haben da ein paar Studenten. Es sind schon 10.000 Bilder in der Datenbank. Sogar der Eiffelturm!” (Dazu später mehr) Man könne auch, sofern das fotografierte Gebäude nicht in der Datenbank wäre, selbst ein Foto machen, es hochladen und seinen eigenen Text dazu eintragen. Natürlich auch den Link von Wikipedia. Ui, dachte ich so total User-Generated-Content-mässig. Meine Frage natürlich sofort: “Da brauchen Sie aber schon eine Redaktion, die am besten 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche die Einträge redigiert.” “Ja,” so die freundliche Dame, “das bauen wir gerade auf.” Dann zeigte sie mir noch ein ziemlich rudimentär aussehendes Web-Frontend, in das man seine Daten ebenfalls vom Rechner aus eingeben könne. “Wann ist das denn online?” “Ähm, wir werden es bald online stellen.” Wow! Nach dem dahinter liegenden Business Modell habe ich dann nicht mehr gefragt, denn die nächste spannende Anwendung wartete ja noch auf mich.
Natürlich war eine BILD-Zeitung auf dem Messestand. Vodafone und BILD verlinken einzelne Bilder mit Videos aus der Online-Redaktion der BILD-Zeitung. Ich mache natürlich gleich ein Foto.
Es klappt. Der Link, den ich erhalte, nachdem ich das Bild an die 4242 geschickt habe, funktioniert und bringt mich auf die mobile Webseite der BILD, auf der ich mir drei Videos anschauen kann. Alles ist gut. Meine Frage an die wirklich sehr nette Dame: “Ich hatte gelesen, dass die MMS für BILD-Mobil Kunden kostenfrei wäre. Wie ist es denn für die Vodafone Kunden, die nicht BILD-Mobil Kunden sind?” “Oh, das weiß ich gar nicht. Ist aber eine gute Frage. Die hat so ja noch keiner gestellt. Da muss ich mal meinen Kollegen fragen”, sprach sie und entwich. Sie kam aber recht schnell wieder und konnte mir mitteilen, dass es die Vodafone Kunden ebenfalls die 39 Cent kosten würde, wie Kunden aller anderen Netzbetreiber auch.
Dann sah ich auf einer selbstlaufenden Demo, dass Otello auch eine Datenbank für Weinetiketten hätte und man nur duch Abfotografieren eines Etiketts zu ganz vielen Informationen über den jeweiligen Wein kommen würde. Auf meine Frage, wie viele Weine dort denn schon drin seien, kam die etwas zögerliche Antwort, dass es noch nicht so viele seien und sich diese Datei gerade im Aufbau befinden würde. Nur ein Schelm, der jetzt denkt, ….
Nun gut. Alles in allem, keine so schlechte Leistung wie die Präsentation bei Frau Merkel, aber irgendwie hatte ich doch den Eindruck, es wäre sehr viel Luft und nicht allzu viel dahinter. Also dachte ich mir, ich probier im Nachgang nochmal etwas aus. Die, ganz ehrlich wirklich freundliche Dame, hatte ja gesagt, sogar der Eiffelturm wäre drin. Da sie ja meine Frage, ob denn die Sehenswürdigkeiten von allen möglichen Standorten aus dort in der Datenbank seien, bejaht hatte, sucht ich mir im Web ein Bild des Eiffelturms, wie ich ihn wohl fotografieren würde.
Dies Foto an die 4242 geschickt. Tja, leider nicht in der Datenbank. Ein echter Schelm, der jetzt denkt, ….
Nun, ich bin selbst Marketer und weiß, dass man für Messen doch gern mal einen Dummy baut. Hier bei Vodafone waren halt einfach etwas mehr Dummies, denn insbesondere der universelle Reiseführer ist für die Objekterkennung eine echte Herausforderung. Da hat sich Vodafone/Otello schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt. Die Anwendung für die BILD-Zeitung funktionierte einwandfrei, ist aber auch nicht unbedingt DIE herausragende Leistung, sofern man nur leidlich etwas von Objekterkennung versteht. Insgesamt nett und freundlich, aber für meinen Geschmack etwas zu viel Luft. Sollte Vodafone/Otello kurzfristig wirklich laufende Anwendungen zeigen, die in Richtung “visuelle Suchmaschine” gehen, werde ich sofort darüber berichten und Abbitte leisten. Bis dahin bleibe ich ein Schelm.
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