Für meinen ersten Beitrag auf Mobile Zeitgeist möchte ich gerne ein Thema von Philipp aufnehmen, der vor ein paar Tagen über das Mediascape Toolkit von HP schrieb. Ich hab mich einige Zeit mit dem Programm beschäftigt und kann es jedem empfehlen, der sich für die Konzeption und Umsetzung von Kontext-basierten, mobilen Projekten interessiert.
Die Plattform wird von Hewlett Packard entwickelt, existiert schon seit einigen Jahren und wird kontinuierlich weiterentwickelt. Aufmerksam bin ich damals auf die Software geworden durch das Projekt „Mobile Bristol“, für welches das erste Mediascape Toolkit seinerzeit entwickelt wurde.
Das Software-Paket besteht aus einem Programm, dem sog. Mscape Maker für einen Windows PC und einem Client für Windows Mobile Geräte. Da die mobile Applikation vor allem mit GPS funktioniert, wird natürlich ein entsprechender Empfänger benötigt, z. B. als externe Bluetooth Maus.
Die Grundidee des Toolkits ist die, dass unterschiedliche Hotspots auf einer Karte definiert werden, mit denen bestimmte digitale Inhalte verknüpft werden. Dies können Sounds und Videos sein oder spezielle HTML- oder sogar Flashseiten. Der Kreativität sind dabei eigentlich keine Grenzen gesetzt. Hat man seinen eigenen Mediascape gebaut, kann er sehr einfach auf das Windows Mobile Handy übertragen werden. Bewegt man sich jetzt, samt Handy und GPS, in die „realen“ Hotspots, werden auf dem Handy die definierten Aktionen ausgeführt.
Die Arbeit mit Mscape ist einfach zu erlernen und zumindest die wichtigsten Basics hat man schnell verstanden. Am schwierigsten ist noch das Auszeichnen einer eigenen Karte mit den richtigen Geokoordinaten. Doch mit dem integrierten GPS-Logger fürs Handy ist auch das machbar.
Die Erfahrungen, die man bei der Konzeption und Umsetzung sammelt, sind aber enorm. Schnell bekommt man ein Gefühl dafür, an welchen Orten Hotspots, d. h. physische Links, Sinn machen oder dass neben technischen Hindernissen (z. B. langsamer GPS-Fix, Ungenauigkeit), auch soziale Aspekte zu berücksichtigen sind. Gerade sie sind es, die mobile Anwendungen und Websites in Zukunft maßgeblich beeinflussen werden.
So sind es einerseits die sog. „Magic Moments“, die User erleben können, wenn physische Objekte in der eigenen Umgebung sinnvoll mit digitalen Inhalten verknüpft sind. Sie tragen maßgeblich zum Erfolg eines solchen Projekts bei und genießen hohe Priorität in der Konzeption. Andererseits gibt es aber auch soziale Hemmnisse, die auftreten können („Ich hampel hier doch nicht mit so einem Gerät rum und mach mich zum Affen.“). Phänomene, welche unbedingt berücksichtigt werden müssen, da sie gerade in der aktuellen Aufbruchsphase verstärkt auftreten, wo physische Links, digitale Inhalte und Kontext-abhängige Anwendungen für die meisten User noch ungewohnt sind.
Darüber hinaus lässt sich das Toolkit aber auch wunderbar als Prototypingtool „missbrauchen“, da sehr schnell mobile Inhalte erstellt und auf das Handy übertragen werden können. Auch Services in der Art von Apples Starbucks Kooperation sind hiermit, vom grundsätzlichen Interaktionsaufbau her, schnell zu simulieren.
Für alle Neugierigen sei noch angemerkt, dass HP Labs am 3. und 4. Dezember das mscapeFest07 veranstaltet. Und wer sich für die Konzeption von Mediascape im weiteren Sinne interessiert, was z. B. auch die Integration von 2D Code betrifft, dem sei unbedingt der Artikel “You Are Here” – Experiences with Located Symbols von Tim Kindberg et. al. empfohlen.
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