Dinosaurier waren riesig und ihre Gehirne vergleichsweise winzig. Dieses Verhältnis scheint auch auf die HSBC Bank (Hongkong and Shanghai Banking Corporation) zuzutreffen. Die HSBC ist gemäß der Forbes Global 2000 Liste die drittgrößte Bank der Welt sowie das fünftgrößte Unternehmen der Welt. So viel zur Größe des Dinosauriers. Nun zum Gehirn:

Zu Beginn dieses Jahres startete die HSBC in London ein Marketing Projekt. Hierbei wurden in der Regent Street und Canary Wharf an den Filialen vorbei gehende Passanten, sofern ihre Funktion eingeschaltet war, angesprochen ob sie Werbung auf ihre Handys erhalten möchten. Im April sagte eine Vertreterin der Bank “the initial reaction from people has been positive with no negative comments from those receiving the messages”. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Diejenigen, die die Nachricht haben wollten und offensichtlich dann auch die Filiale betreten haben, um mit jemandem zu sprechen, äußerten sich positiv. Ach nein, wie ungewöhnlich. Diejenigen, die sich bespammt gefühlt haben, haben sicherlich schnellstens Reißaus genommen und den Funkradius der HSBC verlassen. Die Bank konnte noch froh sein, nicht wütende Menschen in ihren Schalterhallen gehabt zu haben.

Dieser Tage nun läßt die HSBC die Öffentlichkeit wissen, dass sie diese Marketing Kampagne nicht fortführen wird. Ein Sprecher der Bank dazu: “We did look at the results and it is not being taken forward. It didn’t prove commercially viable.” Du meine Güte. DAS hätte ich (und einige andere Fachleute aus unserer Branche auch) Euch gleich sagen können. Wer so vorgeht, hat auch keinen Erfolg. Außer Spesen mal wieder nix gewesen. Doch – Stop! Sicherlich gehen einige Menschen, die bisher unbewußt und ohne darauf zu achten an Filialen der HSBC vorbei gegangen sind, heute sehr bewußt und beschleunigten Schrittes vorbei. Müssen Sie doch befürchten, wieder eine Werbebotschaft unaufgefordert auf ihre Mobiltelefone zu bekommen.

Dieser Trial zeigt wieder einmal überdeutlich, dass nicht alles, was im Mobile Marketing technisch machbar ist, auch gemacht werden sollte, auch wenn es noch so verlockend aussieht, wie manche Kampagne. Die HSBC macht leider keine Angaben dazu, wieviel Schaden durch die Kampagne angerichtet wurde. Dies wurde bestimmt auch nicht untersucht. Aber die geringen Nutzerzahlen, die zur mangelnden Rentabilität geführt haben, sollten schon zu denken geben. Die große Masse wird hier wie so häufig einfach ignorieren oder verärgert schweigen.

Nicht, dass ich der Meinung bin, Marketing wäre grundsätzlich schlecht und sollte nicht genutzt werden. Wenn man es richtig einsetzt, ist eine tolle Technologie, die viel Gestaltungsspielraum im Marketing bietet. Aber wie so häufig im Marketing und besonders im Mobile Marketing, das sich eines sehr persönlichen Gegenstandes der Konsumenten bedienen möchte, liegt die Betonung eben auf “richtig”. Dies für die eigenen Anforderungen heraus zu finden, sollte gemeinsam mit entsprechenden und möglichst neutralen Fachleuten angegangen werden.

Via MocoNews

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