Auf SatNews habe ich eine Zusammenfassung der Mobile Marketing Panele vom Medienforum NRW gelesen.

In gewohnt skeptischer Manier versuchte Helmut Thoma, einst Geschäftsführer von RTL und nun Aufsichtsratsvorsitzender der freenet AG sowie Medienberater, in einer Keynote beim 19. medienforum.nrw die Erwartungen in Bezug auf mobiles Fernsehen zu relativieren.

„Natürlich wird man mobiles TV bekommen, aber ob es über das Handy geht?“, fragte er und: „Wenn ich dort gerade was gucke – was tun, wenns klingelt?“ Der Zuschauer sei doch längst an große Flachbildschirme gewöhnt, schilderte Thoma und sagte voraus, dass große Bildschirme auch in öffentlichen Gebäuden bald zum Standard gehören könnten. Handy-TV falle in diesem Vergleich ab: „Aber der Flohzirkus hat auch über Jahrhunderte existiert und den richtigen Zirkus nie gefährdet.“ Man solle, so forderte Thoma, „das alles niedriger hängen“. Es wäre besser, die bestehenden Programme kreativer zu gestalten und nicht von den Controllern herstellen zu lassen.

Klar, Herr Thoma. Back to the roots, Handy TV wird nix, wir halten die Zuschauer einfach mit “kreativeren Programmen” vor den Fernsehgeräten. Er denkt da bestimmt an solche tollen Serien wie Gülcans Traumhochzeit. Einzig damit, Handy TV nicht so zu hypen, gebe ich ihm Recht.

Eine ähnliche Ansicht wie Thoma vertrat auch Coca-Cola-Marketingdirektor Gregor F. Gründgens beim folgenden Panel über neue Trends beim Mobile Marketing. Er hält die Möglichkeiten, die sich für die Werbung im Bereich Mobile Media eröffnen, für spannend, aber nicht wirklich wegweisend. „Mir ist das alles zu kleinteilig, und es ist bei weitem nicht so, dass das alles so einfach umzusetzen wäre”, sagte Gründgens und verwies auf die rechtlichen Probleme in Deutschland allein im Bereich Bluetooth-Werbung. „Man verliert sich hier im nächsten großen Ding statt Bestehendes neu zu kombinieren.”

Spannend, aber nicht wegweisend, zu kleinteilig und irgendwie auch nicht so einfach. Tja, da haben die Brausianer wohl mit ihrer Bluetooth-Aktion in der Kölner U-Bahn ziemlich schlechte Kritiken bekommen. Die Codes aus den Flaschendeckeln, für die man Songs bei iTunes bekommen kann, werden bei ebay gehandelt. Jetzt versucht sich Coco Cola an einer mobilen Community. Stimmt, alles gar nicht so einfach.

Sven Tollmien, Senior Trend Consultant bei TrendOne, präsentierte beim 2nd Mobile Media Summit neue Marketingformen. So mietete zum Beispiel die Firma Nike auf dem Times Square in New York so genannte digitale Billboards an. Passanten konnten dann über ihr Handy einen abgebildeten Turnschuh nach ihren Vorstellungen neu designen. Weitere Formen der interaktiven Mobile-Media-Werbung sind das so genannte Micro-Blogging über den Dienst Twitter oder die Erstellung von Mobizines, also digitalen, über Handy und das Internet abrufbare Zeitschriften für einzelne Communities. Immer wichtiger werden nach Meinung von Tollmien Spiele auf dem Handy. Manche diese Spiele seien schon „GPS-enabled” und böten Aufgaben, die sich nur lösen ließen, wenn ein Spieler sich auch in der realen Welt an der richtigen Stelle bewege.

Ein spezieller neuer Weg, der beim Verbraucher keine Extra-Kosten verursacht, ist die Information über QR-Codes. Das Kürzel QR steht für Quick Response und bezeichnet zweidimensionale Barcodes, wie sie in Deutschland auch für die Ausdrucke auf den Internet-Bahntickets verwendet werden. Wer QR-Werbe-Codes über sein Handy abfotografiert, bekommt sofort und ohne Umwege sämtliche Informationen über ein Produkt zugänglich gemacht. Noch größere Datenmengen können über das Abfilmen eines Videocodes transportiert werden. Der Vorsitzende der Grey Global Group, Bernd M. Michael, berichtete, die Entwicklung dieser neuen Werbeformen sei in Asien am weitesten vorangeschritten. „In Shanghai stehen die Leute gerne an der Ampel in der Rotphase, weil sie dann bei den Postern mit Bluetooth-Interaktion bleiben können”, sagte Michael. Das Neue und Interessante an Mobile Media sei für ihn die folgende Erkenntnis: „Die Leute leben mit ihren Geräten.”

Auch Prof. Dr. Ralf Schengber, Direktor des Institutes für Mobile Marketing, schilderte die Vorzüge vom Mobile Marketing: „In diesem Bereich gibt es kaum Streuverluste. Das ist der Traum aller Marketing-Leute“, sagte Schengber. Er forderte, Mobile Media sollte integrierter Bestandteil jedes Marketing-Mixes sein. „Wir sind in Deutschland weit vorn“, sagte er. In diesem Markt scheinen amerikanische Unternehmen ausnahmsweise einmal keine Trend-setter zu sein. „Die USA sind drei bis vier Jahre zurück“, erklärte Dr. Thomas Wolf, Vorstands-vorsitzender der conVisual AG. Multimediale Kampagnen würden ohne Zweifel aber weltweit an Bedeutung gewinnen. Die Einbindung der jeweiligen Zielgruppe durch User Generated Content in Communities sei ein bedeutender Faktor, ebenso das In-Game-Advertsing, also die Positionierung von Marken in Spielen. Nicht zu unterschätzen seien auch intelligente, cross-medial genutzte Sprach-Portale, also automatische Telefonzentralen. „Die Sprache ist zurück“, urteilte Wolf.

Hätten die MNOs hier bei uns ähnliche Macht über die Verbraucher wie in den USA, wären wir auch weiter zurück. Bremsen tun die Telkos bei uns noch genug. Dass die Sprache noch eine Riesenrolle spielen wird, davon bin ich auch überzeugt.

Ingo Lippert, Vorstandsvorsitzender der MindMatics AG, dämpfte allerdings zu hohe Erwar-tungen: „Man darf den Kunden nicht außer Acht lassen.“ Der kleinste gemeinsame Nenner sei gleichzeitig der effektivste. „Am einfachsten gehen SMS oder E-Mail“, sagte Lippert. Im Print-Bereich und im Fernsehen SMS-Abrufe anzubieten, sei der sinnvollste Weg, die Verbraucher und möglichen Kunden zu erreichen. Kurzwahlnummern im TV bezeichnete Lippert als die „Königsklasse“.

SMS und Email sind einfach. Hoffentlich hat Herr Lippert mit Herrn Gründgens von Coca Cola gesprochen und ihm die Einfachheit einfach mal erklärt. Shortcodes im TV sind die “Königsklasse”. Ich hoffe sehr, dass diese Aussage nur so rüberkommt, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

Bernd M. Michael gab dem Plenum abschließend eine Mahnung mit auf den Weg: Das Gefährlichste beim Marketing über Mobile Media seien „Belästigungseffekte.“ Diese müssten unbedingt vermieden werden.

Amen!

Heike Scholz

Heike Scholz

Heike Scholz ist Gründerin von mobile zeitgeist, Mobile Consultant, gefragte Rednerin, Interviewpartnerin und Workshop-Leiterin.

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