Tickets, Eintrittskarten, Coupons, Fahrpläne, Preis- oder Produktauskünfte und noch vieles mehr können auf Mobiltelefonen abgebildet bzw. genutzt werden. Japan und Korea sind Europa hier weit voraus. Dort gehören die hierfür benötigten 2D-Codes zum Alltag. Einer neuen Umfrage in Japan zufolge erwarten dort die Handynutzer ganz selbstverständlich, dass ihr Mobiltelefon 2D-Codes lesen kann.
Jeder kennt die 1D-Codes, auch Strich- oder Barcodes genannt. Sie sind auf nahezu allen Produkten des täglichen Lebens. 2D-Codes
kennen wir im Grunde auch, nur haben wir sie noch nicht so häufig gesehen. Vielen sind sie von der Deutschen Post bekannt. Dort werden sie für die Portoaufkleber genutzt. Die Deutsche Bahn verwendet sie auf ihren Tickets, usw. usw. Mehr zur Technik von Codes finden Sie im zweiten Teil.
Die Nutzung von 2D-Codes auf Mobiltelefonen ist heute bereits erprobt. Hierbei sind zwei unterschiedliche Wege möglich:

- 1. Lesen eines 2D-Codes von einem Handydisplay mit Hilfe eines Scanners
- 2. (Ein-)Lesen eines 2D-Codes mit einem Kamerahandy
Hinter diesem 2D- oder auch Data Matrix Code hier links verbirgt sich die URL dieses Weblogs.
1. Lesen eines 2D-Codes von einem Handydisplay mit Hilfe eines Scanners
Hier wird dem Nutzer der Code per SMS, Bild-SMS, MMS, Download oder URL zur Verfügung gestellt. Natürlich ist es auch möglich, dass der Nutzer den Code mit seinem Kamerahandy abfotografiert, hierzu weiter unten mehr. Da der 2D-Code ein großes Speichervolumen hat, können hier umfangreiche Daten codiert werden. So könnte sich hinter den Codes folgendes verbergen:
- Coupons mit beliebigem Inhalt (Cash Coupons, Free Offer Coupons, Shopping Coupons, Treue Coupons etc.)
- Eintrittskarten / Tickets
- Kundenkarten / Bonussysteme
- Persönliche Daten des Nutzers
- Zugangsdaten zu gesicherten Gebäuden
Am POT (Point of Transaction), z.B. an der Kasse im Geschäft, am Einlaß zum Kino, hält der Nutzer sein Handydisplay mit dem sichtbaren Code an einen Scanner. Um alle Mobiltelefone nutzen zu können, ist darauf zu achten, dass der Scanner eine eigene Beleuchtung für den Scanvorgang besitzt, die keine einschränkenden Spiegelungen auf dem Handydisplay hervorruft. Ist keine entsprechende Beleuchtung am Scanner vorhanden, können nur Mobiltelefone mit ausreichender Hintergrundbeleuchtung genutzt werden. Der Scanner übermittelt die Daten an das dahinter liegende System, welches den Code mittels einer Datenbank prüft und je nachdem den Vorgang frei gibt oder sperrt.
Hier zeigen sich die Vorteile: Einerseits kann dem Nutzer erlaubt werden, den Code (z.B. einen Gutschein) beliebig oft an Freunde, Bekannte und Verwandte weiterzuleiten. Diese Personen erhalten die gleiche Vergütung vor Ort. Virales Marketing zur Neukundengewinnung at its best. Andererseits kann die Verteilung auch vollständig (z.B. bei Tickets) oder teilweise unterbunden werden. So ist die räumliche und zeitliche Verwendung einschränkbar. Käuferströme sind so gezielt in beiden Dimensionen zu beeinflussen.
Man könnte sogar soweit gehen, die Kreditkartendaten in einem 2D-Code zu hinterlegen. So braucht der Kunde nicht seine Karte aus dem Portemonnaie zu fummeln, sondern kann elegant und schnell mit seinem Handy und Unterschrift zahlen. Analoges ist für Lastschriften auf Basis der ec-Karte denkbar. Heute lassen insbesondere junge Leute eher ihr Portemonnaie als ihr Mobiltelefon zu Hause liegen.
Für solche Lösungen können Kosten in unterschiedlicher Höhe entstehen:
- Für die Scanner, je nach Ausprägung, mit/ohne GPRS-Modul, mit/ohne Bondrucker, indoor/outdoor, Stand-alone/Einbaukomponente inkl. Installation vor Ort.
- Für Kommunikationsentgelte zwischen Scanner und Backend (z.B. GPRS), wenn nicht die hausinterne Infrastruktur genutzt wird.
- Für Kommunikationsentgelte bei Versand des Codes per SMS, MMS etc.
- Für Adressgenerierung und Kampagne je nach Größe, Komplexität und Ausgestaltung.
- Für Customizing von Hintergrundsystemen und Schnittstellen.
- Für Service (vor Ort), Schulung von Mitarbeitern, Hotlines etc.
- Für Werbung und Promotion.
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2. (Ein-)Lesen eines 2D-Codes mit einem Kamerahandy
Das Tippen am Mobiltelefon ist, trotz des Trainings, das wir in den vergangenen Jahren durch den Versand von SMS erfahren haben, eine mühselige Angelegenheit. Bevor man auf den kleinen Tasten durch Einfach- oder Mehrfachtippen halbwegs wieder erkennbare Worte geformt hat, lässt man es meist einfach sein.
Diese Hürde möchten Marketers gern überspringen. Hierfür bieten sich 2D-Codes an, die kostengünstig und unkompliziert auf Waren, Plakaten, Visitenkarten oder wo auch sonst noch angebracht werden können. Mit einem Kamerahandy abfotografiert erspart es uns das nervenaufreibende Eintippen von URLs oder leitet uns mit unserem internetfähigen Handy gleich auf weiterführende Inhalte.
Hierfür ist neben der obligatorischen Kamera eine Applikation auf dem Mobiltelefon notwendig. Diese Software steuert die Codeerkennung und führt die im Code hinterlegten Befehle aus. Der Nutzer muß lediglich mit der Kamera seines Mobiltelefons den Code fixieren. Je nach hinterlegter Funktion steht ihm jetzt ein Service zur Verfügung.
In Codes können sowohl Inhalte als auch Funktionen codiert sein:
- Fahrpläne
- Zusätzliche Produktinformationen
- URLs, d.h. der Nutzer wird direkt auf eine Website geleitet
- Persönliche Daten, z.B. auf Visitenkarten
- Übermittlung von Videos, Klingeltönen, Wallpapers u.ä.
- Preisvergleiche
Aufgrund der Qualität der Kameras in den meisten Mobiltelefonen, insb. die mangelhaften Makro-Funktionen, sollten die Codes heute noch eine gewisse Mindestgröße einhalten. Japan, wo codebasierte Fahrplanauskünfte an Haltestellen und das Einlesen von Visitenkarten heute bereits gang und gäbe sind, zeigt, dass es technologisch möglich ist.
Kosten für diese Art des Mobile Marketing entstehen in erster Linie
- für die Applikation auf dem Mobiltelefon (Lizenzen)
- für die Hintergrundsysteme und deren Anpassung inkl. Service.
- Für Kommunikationskosten in den Fällen, dass für den Nutzer kostenlose Push-Dienste angeboten werden sollen.
- Für die Anbringung der Codes.
- Für Werbung und Promotion.
Beispiele für mögliche Anwendungen:
BBC Two „Coast“ – Codes im Tourismus
Semapedia – Code-Tagging mit der Lösung von Semacode
Aus diesen beiden Formen des Code-Handlings sind natürlich auch Mischformen denkbar, wie z.B. der URL-Versand eines Codes mit einer URL, die den Nutzer direkt auf die gewünschte Website leitet.
In vielen Foren und Blogs wird sehr angeregt über diese Technologien diskutiert. Dies reicht vom Denkmalschutz bei Semapedia bis hin zum Datenschutz im Businessbereich bzgl. des Einsatzes von Kamerahandys. Diese Diskussionen sind wichtig und zeigen, dass solche Technologien die Menschen bewegen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Einsatz von 2D-Codes auf Mobiltelefonen, neben anderen Technologien wie z.B. Near Field Communication (NFC), auch in Europa durchsetzen wird. Sicherlich in anderer Form als in Japan oder Korea. Derzeit warten leider hier bei uns wieder einmal zu viele auf die „Killerapplikation“ und verpassen die Chancen, die in dieser Form des Mobile Marketings stecken.
Im 2. Teil meiner kleinen Reise mit den Codes duch das Mobile Marketing werde ich mich näher mit der Technolgie beschäftigen.
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Hallo Heike,
erstmal vielen Dank für die Einladung zu Deinem Blog. Interessantes Thema, gut geschrieben. Zwischen den Zeilen lese ich die Ablösung des kartengestützten Zahlungsverkehrs und Transformation des Netzbetriebes ins mobile Netz. Ein neuer Internethype oder eine schnell verpuffende Blase wie wir es beretis hatten? - Weitere praktische Beispiele?
Gruß
Robert